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Türkische Intervention in Syrien schafft neue Fluchtursachen

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 Kurdische YPG-Kämpfer  |  Bild: © Kurdishstruggle [CC BY 2.0]  - flickr

Kurdische YPG-Kämpfer | Bild: © Kurdishstruggle [CC BY 2.0] - flickr

Türkische Intervention in Syrien schafft neue Fluchtursachen

Am vergangenen Montag begann US-Präsident Trump, seine Ankündigung, die amerikanischen Streitkräfte aus dem Norden Syriens abzuziehen, in die Tat umzusetzen. Der Abzug der Truppen aus dem nordsyrischen Grenzgebiet zur Türkei, von dem unter anderem Trumps früherer Sicherheitsberater explizit abgeraten hatte, gilt international als sehr umstritten. Während die USA im Nordosten Syriens gemeinsam mit dem Militärbündnis „Demokratische Kräfte Syriens“ (SDF) gegen den Islamischen Staat gekämpft und das Bündnis finanziell sowie mit Waffenlieferungen unterstützt hatten, stellen die SDF für den türkischen Präsidenten Erdogan eine Bedrohung für die nationale Sicherheit seines Landes dar. 1) Deutsche Welle: Der US-Rückzug aus Nordsyrien und seine Folgen; Artikel vom 07.10.2019 Denn ein wichtiger Bestandteil der SDF ist die kurdische Miliz YPG, die mit der in der Türkei als terroristische Vereinigung eingestuften Arbeiterpartei PKK eng verbunden ist. Die Kurden aus dem Grenzgebiet zurückzudrängen, ist schon länger ein wichtiges Ziel der türkischen Regierung. So startete die Türkei am Mittwochabend die Operation „Friedensquelle“ und begann die Offensive im Norden von Syrien. Ziel der Operation ist die Errichtung einer sogenannten „Schutzzone“, einem Streifen von bis zu 30 Kilometern Breite zwischen Syrien und der Türkei. 2) Zeit Online: Recep Tayyip Erdogan ist nicht auf einer Friedensmission; Artikel vom 09.10.2019   Die Vertreibung der Kurden aus diesem Gebiet soll unter anderem Platz machen für Millionen syrischer Flüchtlinge, die in der Türkei Zuflucht gefunden haben und bei einem Gelingen der Offensive in der Schutzzone angesiedelt werden sollen. 3) Deutsche Welle: Der US-Rückzug aus Nordsyrien und seine Folgen; Artikel vom 07.10.2019 Während die USA in den vergangenen Jahren an der Seite der YPG und SDF gegen den sogenannten Islamischen Staat gekämpft haben, ebnen sie nun mit dem Rückzug ihrer Truppen den Weg für den türkischen Einmarsch in Nordsyrien. Zwar erhält die Türkei weder von den Vereinigten Staaten noch von anderen NATO-Partnern oder der EU Unterstützung für die Offensive im syrischen Grenzgebiet, aber dennoch verweigern die USA ihrem früheren Verbündeten, der SDF, die Unterstützung und den Schutz vor dem türkischen Angriff. 4) Süddeutsche Zeitung: USA überlassen Nordsyrien dem Spiel der Mächte; Artikel vom 07.10.2019 In der Folge der ersten Luftangriffe auf Stützpunkte der YPG gibt es bereits Meldungen über Tote in der Grenzregion. Bei den Angriffen werden auch zivile Gebiete nicht verschont, sodass die Menschen dort nun in Angst und Schrecken leben oder vor der Gewalt fliehen. Kritiker der Offensive, darunter auch die deutsche Bundesregierung, befürchten eine weitere humanitäre Katastrophe sowie neue Fluchtbewegungen. 5) Deutsche Welle: Türkei startet Militäroffensive gegen Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien; Artikel vom 09.10.2019 Weiterhin wird durch die Angriffe ein Wiedererstarken des IS befürchtet, da die kurdische Miliz den Großteil ihrer Streitkraft gegen die Türkei aufwenden muss. 6) Tagesspiegel: Türkei marschiert in Syrien ein; Artikel vom 09.10.2019 Zudem könnten bisher von der YPG gefangengenommene und bewachte IS-Kämpfer sich nun möglicherweise befreien und in den benachbarten Irak absetzen. Fest steht jedenfalls, dass die Leidtragende vor allem die Zivilbevölkerung in der Grenzregion ist. US-Präsident Trump hat mit dem Rückzug der amerikanischen Truppen aus dem Gebiet den Weg für die lange geplante türkische Offensive freigemacht und so das Leben Hunderttausender in der Region gefährdet. Wie sich die Kämpfe entwickeln werden, steht noch offen, doch ein ist sicher: Es werden wieder viele Menschen vor der Gewalt in ihrer Heimat fliehen müssen.

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Rebecca Kroschwald

Ich bin Rebecca, 24 Jahre alt und Studentin der Politikwissenschaften und Soziologie. Aktuell mache ich ein zehnwöchiges Praktikum bei earthlink und freue mich, Einblicke in die Arbeit einer Non-Profi-Organisation zu erhalten.

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