Seiten
Kategorien

Neues Klimaschutzgesetz zu wenig, um Fluchtursachen zu bekämpfen

-

 Breite Landstriche sind von klimabedingter Dürre betroffen und zwingen Menschen zur Flucht |  Bild: © ironpoison [CC BY-NC 2.0]  - flickr

Breite Landstriche sind von klimabedingter Dürre betroffen und zwingen Menschen zur Flucht | Bild: © ironpoison [CC BY-NC 2.0] - flickr

Neues Klimaschutzgesetz zu wenig, um Fluchtursachen zu bekämpfen

Mit Unzufriedenheit reagierten Umweltschutzorganisationen auf den neuen Entwurf des Klimaschutzgesetzes, den die Bundesregierung diese Woche vorlegte. In erster Linie sei er abgeschwächt, so lautet die Devise. Ursprünglich geplant war ein national definiertes Ziel zur CO2-Einsparrung für das Jahr 2040, davon ist nichts mehr übrig. Die versprochene Treibhausneutralität bis 2050 soll nur noch „verfolgt“ werden und klingt unverbindlich. Übrig geblieben ist lediglich das geplante Vorhaben, bis 2030 die Kohlenstoffdioxidemissionen um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken.

Vorab besonders gelobt wurde der vorgesehene Kontrollmechanismus, ein von der Regierung eigens eingesetztes Expertengremium mit Aufsichtsfunktion. Diese Aufsichtsfunktion wurde im neuen Entwurf jedoch ebenfalls stark abgeschwächt. Demnach sind keine jährlichen Gutachten zur Prüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen mehr vertraglich fest gehalten. Das Gremium soll auch keine Vorschläge zum Nachjustieren mehr vorbringen. Desweiteren wird es der Bundesregierung erlaubt sein, Jahresemissionsmengen der Sektoren zum Beginn des nächsten Kalenderjahres zu ändern, was wiederum deutlich weniger Druck für die einzelnen Ministerien bedeutet. Druck, den ein Thema wie der Klimawandel dringend braucht. 1) Spiegel Online: Klimapaket: Regierung schwächt Klimaschutzziele ab; Artikel vom 06.10.2019 2) Klimaschutzgesetz: Germanwatch verlangt Nachbesserung; Artikel vom 07.10.2019 3) Spiegel Online: Klima-Ergebnisse der Bundesregierung: Mehr Päckchen als Paket; Artikel vom 20.09.2019

Denn er stellt nicht nur eine täglich wachsende wirtschaftliche, soziale und existenzielle Bedrohung dar, sondern auch ein Paradoxon der Verantwortung. Leidtragend sind die, die am wenigsten dafür können. Der globale Süden hat schon jetzt mit den verheerenden Folgen der Erderwärmung zu kämpfen. In Sambia beispielsweise herrscht aktuell eine furchtbare Dürre, die in Trockenheit und Ernteausfällen resultiert. Das Jahresmittel der Niederschläge hat sich in dieser Saison von 800 bis 1000 Millimeter auf 347 Millimeter gesenkt. Fallen weitere Ernten aus, steht dem Land eine Hungerkatastrophe bevor. Die Dürre lässt Familien verarmen, das Grundnahrungsmittel Maismehl wird immer teurer. Viele Bauern müssen auf Brandrodung zur Holzkohleherstellung zurückgreifen. Das Land im Osten Afrikas ist Entwaldungsweltmeister, Raubbau eine Alternative die den Klimawandel verschärft.

Sambias CO2-Austoß pro Kopf liegt bei 0,29 Tonnen. Der deutsche Wert liegt bei rekordhohen 9,7 Tonnen, der internationale Durchschnitt bei etwas weniger als fünf Tonnen. Der Unterschied ist gewaltig. Es sind vor allem die ärmsten der Armen, die klimabedingt ihre Heimat verlassen müssen. Mehr als 20 Millionen Menschen sind derzeit betroffen, das ist mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge. Überwiegend kommen sie aus dem südlichen Afrika, Lateinamerika und Südasien. Auch die Prognose sieht schlecht aus, bis 2050 soll die Zahl der Klimaflüchtlinge auf 200 Millionen steigen. Der Klimawandel wird also auch weiterhin die globale Ungleichheit verschärfen. Um genau zu sein ist die Kluft zwischen armen und reichen Ländern heute 25 Prozent größer, als sie es ohne Erderwärmung wäre. Diese Zahlen kategorisieren den Klimaschutz klar als internationales Unterfangen, die nationalen Bemühungen müssen dennoch maximal sein. Das leistet das Klimaschutzgesetz nicht. 4) Spiegel Online: Drohende Katastrophe in Sambia: „Die fürchterlichste Dürre, an die sich Menschen erinnern können“; Artikel vom 16.09.2019 5) GEO: Klimaschutz: „Es bringt nichts, wenn wir Deutschen etwas tun!“ – Darum ist die Stammtischparole falsch; Artikel vom 24.09.2019 6) Welthungerhilfe: Klimawandel: Eine Bedrohung für Umwelt und Mensch; abgerufen am: 10.10.2019

Mit 9,7 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf liegt die Bundesrepublik sogar noch vor China, der Nation mit den höchsten Gesamtemissionen. Aber womit genau verursacht der Einzelne so viel CO2? Um drei wichtige Stichwörter zu nennen: Konsum, Fleisch, Fliegen. Die Produktion von Konsumgütern ist sehr energie- und rohstofflastig, jeder Deutsche bewirkt so im Durchschnitt jährlich 2,75 Tonnen CO2-Emissionen. Würde jedes zweite Produkt geteilt, gebraucht erworben oder repariert werden, ließe sich dieser Wert halbieren. Was Lebensmittel betrifft, schaden vor allem Verpackungsmüll, weite Importwege, Verschwendung und Kunstdünger bzw. Pflanzenschutzmittel der konventionellen Landwirtschaft dem Klima. Der Biolandbau emittiert rund 20 Prozent weniger umweltschädliche Treibhausgase. Was den Fleischkonsum angeht, ist es in erster Linie die Massentierhaltung, die uns über unsere Bedürfnisse hinaus leben lässt. Im Amazonasgebiet werden rund 80 Prozent der Fläche des ehemaligen Regenwalds für den Futtermittelanbau verwendet, außerdem ist das von Tieren produzierte Methan 25 Mal klimaschädlicher als CO2. Jeder Deutsche verursacht 560 Kilogramm CO2-Äquivalente durch den Konsum von Fleisch und Milch. Ein Vegetarier nur die Hälfte. Auch beim Fliegen unterstreichen deutliche Zahlen die Problematik: Ein Flug von München nach Berlin und wieder zurück bedeutet 308 Kilogramm CO2-Emissionen pro Person. Fährt man die gleiche Strecke mit dem ICE sind es 34,4 Kilogramm. Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel hilft zusätzlich. Jeder Einzelne muss und kann aktiv werden, denn das Klima betrifft nicht nur die Politik. Auch die zahlreichen Menschen, die fliehen müssen, betreffen uns alle. 7) CO2online: Bahn oder Flugzeug?; abgerufen am: 10.10.2019 8) Klimaschutz Portal: Klimakiller Nr. 1?; abgerufen am 10.10.2019 9) Utopia: Klimaschutz:15 Tipps gegen den Klimawandel, die jeder kann; abgerufen am 10.10.2019

Beitrag teilen und unterstützen! (Bisher 0 Mal geteilt)

Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Lina Schulz

Hi, ich bin Lina, 19 Jahre alt und für ein Jahr bei EarthLink. Ich freue mich auf den Umgang mit aktuellen Themen und möchte über entwicklungspolitische Zusammenhänge informieren.

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Weitere interessante Infos:
UNICEF Flagge Das Kinderhilfswerk veröffentlichte einen Bericht zu Fluchtursachen von Kindern in West- und Zentralafrika | Bild (Ausschnitt): © Delehaye [CC0 1.0] - Wikimedia Commens

UNICEF fordert G20-Staaten zum Schutz von Kindern auf der Flucht auf

Kurz vor dem G20 Gipfel veröffentlichte UNICEF einen Bericht zu Fluchtursachen von Kindern in West- und Zentralafrika. Insgesamt seien 12 Millionen Menschen in der Region unterwegs – sieben Millionen davon minderjährig. Rund 75 Prozent der ...
Yemeni Mädchen Yemeni Mädchen | Bild (Ausschnitt): © Will De Freitas [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Hungersnot treibt Familien dazu, ihre Töchter zu verkaufen

Seit fünf Tagen hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Dieser Monat ist einer der bedeutendste Monate im Islam. Weltweit fasten Muslime täglich von Aufbruch der Dämmerung bis zum Sonnenuntergang und nach Sonnenuntergang wird das Fasten gebrochen, ...
Trockenheit in der Oromia-Region Eine tote Ziege in der trockenen Oromia-Region | Bild (Ausschnitt): © Andrew Heavens [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Uneinigkeit der G7 bei Klimapolitik sorgt für mehr Elend

Von mehreren Standpunkten aus war der G7-Gipfel spannend. Aus politischer Sicht würde interessant werden, wie US-Präsident Donald Trump auf seine Partner reagieren würde. Immer wieder lassen er und sein Team eine positive Haltung zu Protektionismus ...
Demo gegen Braunkohle | Bild (Ausschnitt): © campact [CC BY-NC 2.0] - flickr

Marrakesch: Lösungsansätze gegen den Klimawandel werden gesucht, dem Kohleausstieg wird keine Beachtung geschenkt

Noch bis Freitag findet die Klimakonferenz in Marrakesch in Marokko statt. Politiker und Wissenschaftler versuchen einen Weg zur Umsetzung der Klimaschutzziele des Pariser Abkommens zu finden. Diese müssen bis 2018 formuliert sein. Dabei liegt der ...
 | Bild (Ausschnitt): © Oxfam East Africa [CC BY 2.0] - Wikimedia commons

Kann die EU-Flüchtlingspolitik wahre Fluchtursachen bekämpfen?

Am 11. und 12. November fand ein Gipfeltreffen zu Migrationsfragen zwischen den EU-Staats- und Regierungschefs sowie Vertretern von 35 afrikanischen Staaten in Valletta (Malta) statt. Die Konferenz knüpfte an die...
 | Bild (Ausschnitt): © Hikrcn - Dreamstime

EU-Flüchtlingspolitik: Enge Kooperation mit Diktatoren

Allgemein bekannt ist zur Flüchtlingspolitik der Europäischen Union lediglich, dass man die Fluchtursachen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge bekämpfen oder zumindest verringern möchte.
Ausführlicher Hinweis zum Datenschutz
[contentblock id=datenschutz]

Diesen Hinweis schließen

Jetzt den earthlink-Newsletter abonnieren:



Das Formular
wird geladen -
bitte einen Moment ...
PGlmcmFtZSBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYm9yZGVyPSIwIiBzdHlsZT0iYm9yZGVyOm5vbmU7IiBjbGFzcz0iYXV0b0hlaWdodCIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LmVhcnRobGluay5kZS8/d3BtbG1ldGhvZD1vZmZzaXRlJmlmcmFtZT0xJmxpc3Q9MSIgaGVpZ2h0PSI0MDAiPg0KCTxwPkRhcyBGb3JtdWxhciBsw6RkIC0gYml0dGUgZWluZW4gTW9tZW50IHdhcnRlbiAuLi48L3A+DQo8L2lmcmFtZT4=
Ihre Daten behalten wir für uns!
Unsere Datenschutzerklärung
Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Liebe Leserinnen und Leser:

Verzeihen Sie bitte die Störung. Heute bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Unsere Kampagne "Fluchtgrund" erfährt großen Zuspruch und viel Lob für die umfangreichen und fundierten Informationen, die wir auf dieser Website bieten. Die Informationen werden genutzt von Interessierten, die sich objektiv über die Gründe informieren möchten, die Menschen dazu bringen ihre angestammte Heimat zu verlassen, von Schülerinnen und Schülern um Referate vorzubereiten, aber auch von Journalistinnen und Journalisten auf der Suche nach detaillierten Hintergrundinformationen. Aber nur ein Bruchteil der Nutzer spendet.

Trotzdem ein großer Teil der Arbeit durch Ehrenamtliche erbracht wird, kostet die Kampagne auch Geld. Hier sind wir auf Ihre Spende angewiesen! Wenn alle, die dies lesen, einen kleinen Beitrag leisten, hätten wir in einem Monat das Geld zusammen, das wir für ein Jahr benötigen. Schon der Preis einer Tasse Kaffee würde genügen. Es ist leicht, diese Nachricht nicht zu beachten und die meisten werden das wohl tun.

Wenn Sie diese Website nützlich finden, nehmen Sie sich jetzt bitte eine Minute Zeit und geben Sie mit Ihrer Spende etwas zurück. Herzlichen Dank!

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Sie können uns Ihre Spende online per PayPal zukommen lassen. Wenn Sie noch kein PayPal-Konto haben, können Sie hier auch mit Kreditkarte spenden.

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft!

Ihre Spende können Sie gerne auf unser Spendenkonto überweisen oder einzahlen:

[contentblock id=spendenkonto]

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?