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Minenarbeiter in Südafrika wehren sich gegen die Ausbeutung durch den Westen – mit tödlichen Folgen

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Proteste aus Solidarität mit den erschossenen Bergleuten in Südafrika. Proteste aus Solidarität mit den erschossenen Bergleuten in Südafrika |  Bild: © Daniel Arauz [CC BY-SA 2.0]  - flickr

Proteste aus Solidarität mit den erschossenen Bergleuten in Südafrika | Bild: © Daniel Arauz [CC BY-SA 2.0] - flickr

Minenarbeiter in Südafrika wehren sich gegen die Ausbeutung durch den Westen – mit tödlichen Folgen

Im kommenden August jährt sich das Marikana-Massaker von Südafrika zum siebten Mal. Am 16. August 2012 wurden damals 34 Bergarbeiter erschossen, als Polizeibeamte gewaltsam versuchten eine Demonstration aufzulösen. Knapp 3000 Bergleute einer Platin-Mine in Marikana hatten zuvor sechs Tage lang ihre Arbeit niedergelegt, um für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen sowie höhere Gehälter zu demonstrieren. Sowohl der Betreiber des Bergwerks, ein britischer Konzern namens Lonmin, als auch die südafrikanische Bergarbeitergewerkschaft NUM weigerten sich, den Forderungen der Demonstranten nachzukommen. Am 16. August versammelten sich die Bergleute auf einem Hügel nahe des Minen-Geländes. Einige von ihnen trugen Speere und Macheten, der Großteil war jedoch unbewaffnet. Dennoch eröffneten Polizeibeamte das Feuer auf die Arbeiter, welche sofort die Flucht ergriffen. 34 Menschen wurden so getötet und fast 80 weitere verletzt. Die Verletzten, von denen viele arbeitsunfähig wurden, und die Angehörigen der Getöteten haben bis heute kaum Entschädigungen erhalten. 1) Global Nonviolent Action Database: Marikana miners strike for better wages; Stand vom 02.07.2019 2) Deutschlandfunk: Massaker von Marikana – Aufarbeitung auch drei Jahre danach noch unvollendet; Artikel vom 16.08.2015

Die schlechten Arbeits- und Lebens-Bedingungen, gegen welche die Minen-Arbeiter von Marikana demonstrierten, sind in Afrika weit verbreitet. Die Bergleute verrichten in den Minen schwerste körperliche Arbeit unter extrem gefährlichen Bedingungen. Sicherheitsvorschriften werden häufig nicht durchgesetzt und Unfälle sind keine Seltenheit. Gleichzeitig verdienen die Arbeiter, welche Metalle für westliche Konzerne wie Lonmin abbauen, extrem schlecht. 2012 zahlte das Unternehmen seinen Minenarbeitern einen monatlichen Basislohn von umgerechnet 375 Euro. Diese Summe reicht den wenigsten zum Überleben, geschweige denn dafür, ihre Familien zu ernähren. Viele der Arbeiter leben in unmittelbarer Nähe zu den Bergwerken in Slums – ohne Strom oder fließendes Wasser. Zwar kündigte Lonmin bereits 2006 an, neue Wohnanlagen für die Minenarbeiter bereitzustellen, doch getan hat sich seitdem kaum etwas. Auch die Auswirkungen des Platinabbaus auf die Umwelt Südafrikas sind katastrophal. Bei der Förderung des Rohstoffs entstehen große Mengen von Abgasen und verunreinigtem Abwasser, welche die umliegenden Landstriche verschmutzen und somit langfristig unbrauchbar machen. Des Weiteren werden für den Bau von Bergwerken oftmals die ursprünglichen Bewohner des Landes aus ihrer Heimat vertrieben – häufig ohne angemessen für diesen Verlust entschädigt zu werden. 3) Brot für die Welt: Neue Studie Marikana fünf Jahre nach dem Massaker; Artikel vom 16.08.2017 4) Brot für die Welt: Platin für den Weltmarkt, Blechhütten für die Arbeiter; Veröffentlicht 08.2017 5) Amnesty International: Fünf Jahre danach: Keine Gerechtigkeit für die Opfer von Marikana; Artikel vom 16.08.2017 6) Verbraucherzentrale NRW: Rohstoffabbau schadet Umwelt und Menschen; Stand vom 26.06.2018

Platin gehört zur Gruppe der wertvollen Edelmetalle und wird hauptsächlich in der Herstellung von Katalysatoren für Autos verwendet. Aber auch in Handys und Fernsehern werden häufig Teile aus dem teuren Rohstoff verbaut. Mindestens 70 Prozent des geförderten Platins weltweit stammen aus Südafrika. Viele von uns haben so wahrscheinlich bereits einmal unbewusst ein Stückchen Platin aus Südafrika in der Hand gehabt.  Für die deutsche Wirtschaft ist der Rohstoff von großer Bedeutung. BASF, ein deutsches Chemie-Unternehmen, ist einer der größten Abnehmer und einer der wichtigsten Kunden von Lonmin. Knapp 450 Millionen Euro gibt BASF jährlich allein für Platin aus Marikana aus. Daraus stellt der Konzern Abgaskatalysatoren her, welche anschließend an BMW, Daimler oder VW weiterverkauft werden. Die beteiligten Unternehmen machen somit extrem gute Geschäfte mit dem Edelmetall. Nur bei den Bergleuten selbst kommt kaum etwas von dem Geld an. Obwohl der Westen und seine Industrien stark abhängig von Platin sind, sind westliche Konzerne nicht bereit, für dessen Förderung einen angemessenen Preis zu zahlen und so den Arbeitern menschenwürdige Löhne zu garantieren. 7) Zeit Online: Ihr Leben für unser Platin; Artikel vom 07.07.2014 8) Brot für die Welt: Edles Metall‒Unwürdiger Abbau; Veröffentlicht 04.2018; S. 6

Die Untersuchung des Marikana-Vorfalls durch einen südafrikanischen Ausschuss ergab, dass Lonmin für das Massaker mitverantwortlich ist. Der Konzern sei seinen gesetzlichen Verpflichtungen gegenüber den Bergarbeitern nicht nachgekommen, was zu großer Unzufriedenheit in der Bevölkerung und schließlich zum Streik führte. Weiterhin weigerte sich Lonmin mit den Demonstranten zu verhandeln und trug zur Eskalation des Protests bei, indem der Konzern verstärkt Polizeieinsätze gegen die Streikenden forderte. Dennoch weigert sich das Unternehmen immer noch, Verantwortung für das Geschehene zu übernehmen und hat bis heute keine der Forderungen der Bergarbeiter vollständig erfüllt. Die Bergleute der Marikana-Minen leben und arbeiten weiterhin unter menschenunwürdigen Bedingungen und werden extrem schlecht bezahlt. Auch das deutsche Unternehmen BASF, welches als größter Kunde Lonmins eigentlich Druck auf den britischen Zulieferer ausüben könnte, setzt sich kaum für eine Verbesserung der Zustände in Marikana ein. Zwar brüstet sich das Unternehmen auf seiner Webseite damit, weltweit Nachhaltigkeit und Entwicklungszusammenarbeit zu fördern, doch bei den Lieferketten von BASF sucht man dieses Engagement leider vergeblich. Erst 2016 erneuerte der Betrieb seine Verträge mit Lonmin – ohne jegliche Zusagen seitens des Konzerns zu sozialen Verpflichtungen. 9) Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre: Gegenantrag des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre zur Hauptversammlung der BASF SE am 30.04.2015; Veröffentlicht am 15.04.2015; S. 3 10) BASF: Gesellschaftliches Engagement; Stand vom 02.07.2019

Lonmin selbst ist aufgrund von sinkenden Platinpreisen finanziell angeschlagen und wurde im vergangenen Juni vom südafrikanischen Bergbaukonzern Sibanye-Stillwater übernommen. Was die Arbeitssicherheit angeht, hat Sibanye-Stillwater in Südafrika den schlechtesten Ruf und man kann somit nicht davon ausgehen, dass die Lage in Marikana und anderen Minen sich in Zukunft verbessern wird. Außerdem sollen im Zuge der Übernahme fast 13 000 Arbeiter, ein Drittel der Belegschaft Lonmins, entlassen werden. Südafrikanische Gewerkschaften fürchten, dass die Bergleute durch den aggressiven Stellenabbau noch weiter vernachlässigt werden könnten und sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen weiter verschlechtern werden. Außerdem wird kritisiert, dass die Arbeiter, welche von Lonmin entlassen werden, nach jahrelanger Ausbeutung nun ohne Entschädigung für vergangenes Unrecht ihre Existenzgrundlage verlieren werden. Lonmin selbst kommt nach zahlreichen Menschenrechtsverletzungen ungestraft davon. 11) Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre: Fusion bedroht 13.000 Bergarbeiter-Jobs; Artikel vom 07.03.2019 12) Frankfurter Allgemeine: Der krisengeschüttelte afrikanische Konzern Lonmin wird verkauft; Artikel vom 18.12.2017 13) Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre: Platin-Konzern Lonmin auf der Anklagebank; Artikel vom 28.05.2019

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Jessica / earthlink

Ich bin Studentin und pendle zwischen Deutschland und meiner Wahlheimat Litauen im Baltikum. Bei EarthLink möchte ich mich entwicklungspolitisch engagieren und Einblick in die Arbeit einer NGO erhalten.

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