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Jemen-Krieg: Ein Kampf um Erdöl mit deutschen Waffen

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Zwei Frauen im kriegszerstörten Sanaa, Jemen Zwei Frauen im kriegszerstörten Sanaa, Jemen |  Bild: © Felton Davis [CC BY 2.0]  - flickr

Zwei Frauen im kriegszerstörten Sanaa, Jemen | Bild: © Felton Davis [CC BY 2.0] - flickr

Jemen-Krieg: Ein Kampf um Erdöl mit deutschen Waffen

Die humanitäre Katastrophe im Jemen geht weiter. Allein dieses Jahr starben mindestens 10 000 Menschen in Folge von Kampfhandlungen. Am schlimmsten betroffen ist die Zivilbevölkerung des Landes. Ein Großteil von ihr ist abhängig von Hilfslieferungen und hat keinen Zugang zu Strom oder sauberem Trinkwasser. Mehr als fünf Millionen Kinder sind akut vom Hunger bedroht, viele von ihnen sterben in Folge von Infektionskrankheiten. Verantwortlich für dieses immense Leid sind die Parteien des seit 2014 andauernden Bürgerkriegs im Land. Jemenitische Streitkräfte bekämpfen mit der Unterstützung Saudi-Arabiens die vom Iran geförderten Huthi-Rebellen. In ihrem Kampf um die Kontrolle des Landes attackiert vor allem die saudisch geführte Militärallianz vermehrt Zivilisten und soziale Einrichtungen. Ganze Dörfer, Krankenhäuser, Schulen und humanitäre Versorgungslager werden gezielt bombardiert. Für den Import von Militärausrüstung, welche auch im Jemen eingesetzt wird, gab Saudi-Arabien im Jahr 2018 schätzungsweise 67 Milliarden US-Dollar aus. Auch in Deutschland gehören das Königshaus und dessen Verbündete zu wichtigen Kunden der Rüstungsindustrie. Unternehmen wie Kraus-Maffei, Rheinmetall und Thyssenkrupp machen mit Mitgliedern der Militärallianz Milliardengeschäfte, viele von ihnen offiziell genehmigt von der deutschen Bundesregierung. 1) Süddeutsche Zeitung: Ein Kampfschiff nach Kairo; Artikel vom 03.01.2019 2) Frankfurter Rundschau: WIe deutsche Firmen am Krieg verdienen; Artikel vom 05.04.2017 3) Das Erste: Jemen-Krieg – Das Märchen vom Rüstungsstopp; Artikel vom 04.04.2019 4) Tagesschau: Rüstungsexporte für 400 Millionen Euro; Artikel vom 28.03.2019 Logistisch gesehen erhält Saudi-Arabien für den Krieg im Jemen folglich deutsche Unterstützung – auch gegen jemenitische Zivilisten. 5) Ärzteblatt: 14 Millionen Menschen im Jemen von Hunger bedroht; Artikel vom 23.10.2018 6) ReliefWeb: Yemen War Death Toll Surpasses 70,000; Bericht vom 18.04.2019 7) Spiegel Online: Jemen-Krieg: Die Schlimmste aller Krisen; Artikel vom 12.09.2017 8) Ärzteblatt: Mehr als fünf Millionen Kinder im Jemen von Hunger bedroht; Artikel vom 19.09.2018 9) Urgewald: Geschäfte mit dem Krieg – Die Rolle Deutschlands im Jemen-Krieg; Veröffentlicht 2018

Nach dem brutalen Mord des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi durch saudische Spezialeinheiten beschloss die deutsche Bundesregierung im November 2018 einen Export-Stopp von Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien. Menschenrechtsorganisationen begrüßten diesen Schritt. Doch schon wenige Monate später, im März 2019, wurde der Ausfuhrstopp bereits wieder gelockert. Zwar sanken die Rüstungsexporte an das saudische Königreich im Vergleich zum Vorjahr, von einem Embargo konnte jedoch keine Rede sein. Darüber hinaus beliefern deutsche Exporteure weiterhin Verbündete Saudi-Arabiens, wie unter anderem Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Allein in 2019 wurden Waffenlieferungen von über einer Milliarde Euro an die beiden Länder genehmigt, welche Teil der saudisch geführten Allianz im Jemen sind. Bei den Rüstungslieferungen handelt es sich unter anderem um Kleinwaffen, gepanzerte Fahrzeuge sowie verschiedenste Bauteile. Somit kann davon ausgegangen werden, dass auch jetzt im Jemen noch täglich Zivilisten mit in Deutschland produzierten Waffen getötet werden. 10) Tagesschau: Export-Stopp verlängert: Keine Waffen für Saudi-Arabien; Stand vom 29.03.2019 11) Deutsche Welle: Deutsche Rüstungsgüter für den Jemen-Krieg?; Artikel vom 16.06.2019 12) Deutsche Welle: Wieder Waffenexporte Richtung Saudi-Arabien; Artikel vom 12.04.2019

Der saudischen Militär-Allianz gehören unter anderem die sunnitisch geprägten Staaten Ägypten, Bahrain, Katar, Kuwait, die VAE und Jordanien an. Die Koalition wurde 2015 geformt, nachdem der damalige Präsident Hadi von Huthi-Rebellen ins Exil gezwungen wurde. Hadi war nur drei Jahre zuvor mit der Unterstützung der Golfstaaten an die Macht gekommen, hatte jedoch schnell die Kontrolle im Land verloren. Huthi-Rebellen drangen in Richtung Süden des Landes vor und lieferten sich erbitterte Kämpfe mit regierungstreuen Streitkräften. Saudi-Arabien begründet sein Eingreifen im Jemen seit 2015 damit, die Regierung Hadi wiederherstellen zu wollen. Laut des Königreichs seien die Huthi-Milizen Terroristen, welche vom Iran, dem schiitischen Erzfeind der Saudis, unterstützt werden, damit dieser seinen Einfluss in der Region ausdehnen kann. 13) Bundeszentrale für politische Bildung: Jemen; Beitrag vom 16.11.2017 14) Deutschlandfunk: Jemen – Der vergessene Krieg; Artikel vom 15.03.2019

Wer hinter dem Stellvertreter-Krieg im Jemen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran jedoch einen ausschließlich religiös motivierten Konflikt vermutet, ignoriert die strategisch bedeutsame Lage des Landes. Nördlich des Jemens befindet sich die Meerenge Bab al-Mandab, welche das Rote Meer mit dem Indischen Ozean verbindet. Durch die nur 27 Kilometer breite Meeresstraße werden täglich mehrere Millionen Fass Öl transportiert. Eine Blockade der Wasserstraße würde dazu führen, dass keine Öltanker mehr zwischen dem Mittelmeer und dem indischen Ozean verkehren könnten. Besonders Länder in Asien und Europa wären hiervon betroffen. Zwar könnten Schiffe die Regionen weiterhin über Umwege erreichen, dies wäre allerdings wesentlich zeit- und kostenintensiver. Diese geopolitische Bedeutung haben auch andere Großmächte erkannt. Sowohl China, die USA und Japan, als auch Deutschland und Frankreich errichteten militärische Stützpunkte in der Region. Insofern ist der angeblich religiös motivierte Konflikt im Jemen für Saudi-Arabien als auch für den Iran nur ein Vorwand – eigentlich kämpfen beide Länder um die Kontrolle über die Meerenge und somit den Fluss des Erdöls. 15) Tages-Anzeiger: Das Rennen um die strategische Meerenge; Artikel vom 27.03.2015 16) Reuters: Die maritimen Nadelöhre der globalen Erdölversorgung; Artikel vom 03.08.2018 17) Euronews: Im Zentrum des Jemenkonflikts: Das Öl-Nadelöhr Bab al-Mandeb; Artikel vom 30.03.2015

Auch Deutschland ist ein wichtiger Abnehmer von Erdöl aus dem Nahen Osten und stark abhängig von dem Rohstoff als Energiequelle. Der Energie-Verbrauch Pro-Kopf in Deutschland ist einer der höchsten in der Welt und beträgt das Doppelte des globalen Durchschnitts. Diese gigantische Nachfrage nach Energie wird immer noch zu einem großen Teil von Erdöl gedeckt. 2018 entsprach der Anteil von Mineralöl am deutschen Primärenergieverbrauch 34 Prozent, weit größer als die Anteile von Erdgas oder Kohle. Auf erneuerbare Energien entfielen lediglich knapp 14 Prozent. Um die Kontrolle über das wertvolle Erdöl wird weltweit gekämpft. Ob im Jemen, im Irak, in Nigeria oder im Südchinesischen Meer – überall auf der Welt werden entsetzliche Kriege um die Ressource geführt. Die Menschen, die am meisten unter ihnen leiden, sind Zivilisten. Unsere Anhängigkeit von begrenzten fossilen Brennstoffen hat folglich dramatische Auswirkungen in anderen Ländern und treibt verheerende Konflikte wie den im Jemen an. Solange sich daran nichts ändert, wir also weiterhin exzessiv blind konsumieren und erneuerbare Energien nur zögerlich ausbauen,  werden auch in Zukunft täglich unschuldige Menschen ihr Leben verlieren. 18) Weltenegrierat Deutschland: Energie für Deutschland – Fakten, Perspektiven und Positionen im globalen Kontext | 2018; S. 92, Veröffentlicht 2018 19) Umweltbundesamt: Primärenergieverbrauch; Artikel vom 26.02.2019 20) Energy Post: Twenty-first century energy wars: how oil and gas are fuelling global conflicts; Artikel vom 15.07.2014

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Ich bin Studentin und pendle zwischen Deutschland und meiner Wahlheimat Litauen im Baltikum. Bei EarthLink möchte ich mich entwicklungspolitisch engagieren und Einblick in die Arbeit einer NGO erhalten.

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