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„G8NA“ Initiative der G8: Kleinbauern in Sub-Sahara Afrika verlieren Land durch ausländische Investoren

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Böden in Ländern der Sub-Sahara: Immer attraktiver für Investoren Böden in Ländern der Sub-Sahara: Immer attraktiver für Investoren |  Bild: © Rikolto [CC BY-NC 2.0]  - Flickr

Böden in Ländern der Sub-Sahara: Immer attraktiver für Investoren | Bild: © Rikolto [CC BY-NC 2.0] - Flickr

„G8NA“ Initiative der G8: Kleinbauern in Sub-Sahara Afrika verlieren Land durch ausländische Investoren

Länder in Sub-Sahara Afrika leiden mit am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels. Immer längere Dürreperioden, versiegende Wasservorräte und der steigende Meeresspiegel bedrohen die Lebensgrundlage vieler Menschen in der Region. Es ist dabei völlig unstrittig, dass diese, so stark betroffenen Länder am wenigsten zur Entstehung der Klimakrise beigetragen haben. Als wäre diese Tatsache nicht schon ungerecht genug, sieht sich vor allem die Landbevölkerung dieses Gebiets  auch mehr und mehr mit dem Problem konfrontiert, dass die zunehmend unfruchtbaren Böden in den letzten Jahren vermehrt zu einer lukrativen Investitionsanlage für ausländische Unternehmen geworden ist.

Die weltweite Finanzkrise 2007/2008 hat viele internationale Investoren in Panik versetzt. Als die massive Finanzblase, die im Immobiliensektor entstanden war, platzte, wurde weltweit nach alternativen Anlagemöglichkeiten gesucht. Weil zeitgleich auch eine Nahrungskrise auftrat und Lebensmittelpreise in der Konsequenz nach oben geschossen waren, konzentrierten sich internationale Investoren vermehrt auch auf afrikanische Böden als Anlagemöglichkeit. Die Anleger wurden dabei von den G8 Staaten maßgeblich unterstützt, indem afrikanische Regierungen in der Region zu investitionsfreundlichen Bodenreformen überredet und Länder der Sub-Sahara als attraktiver Standort für multinationale Agrarunternehmen angepriesen wurden. In diesem Zusammenhang entstand auch der Plan für das derzeit aktuellste und umfassendste Programm für globale Zusammenarbeit im Lebensmittelsektor. 2012 wurde so auf dem G8 Gipfel in Camp David auf Betreiben der USA hin die Initiative „Neue Allianz für Ernährungssicherheit (G8NA)“ beschlossen. Deren erklärtes Ziel ist es – so die offizielle Darstellung – bis 2022 50 Millionen Menschen aus Armut und Hunger zu befreien. Betrachtet man die tatsächliche Umsetzung sowie die bisherige Entwicklung des Programms so wirkt es jedoch eher kolonial bevormundend, als humanitär oder zumindest entwicklungsfördernd. Im Kern führt es nämlich vor allem dazu, dass multinationalen Unternehmen der Zugang zu afrikanischem Land erleichtert wird, das bis dahin von Kleinbauern genutzt werden konnte. 1) Pressenza.com: Landkauf durch reiche Länder entzieht senegalesischen Bauern die Lebensgrundlage; Artikel vom 31.01.2017 2) Forum Umwelt und Entwicklung: Die Neue Allianz für Ernährungssicherheit in Afrika: Ist die Initiative der G8-Länder geeignet, die Armut zu bekämpfen ?; Veröffentlicht 2013 3) Europäisches Parlament: The New Alliance for Food Security and Nutrition in Africa; Veröffentlicht 2015

Gerechtfertigt werden die umfassenden Investitionen mit dem Versprechen, dass der Einbezug von ausländischem Kapital und die Beteiligung privater Großunternehmen die Lebensmittelproduktion insgesamt steigert und Kleinbauern als Angestellte im Produktionsprozess finanzielle Sicherheit finden könnten. Die Realität sieht jedoch anders aus: Denn die hauptsächlichen Käufer bzw. Pächter der wertvollen Flächen sind keine Geringeren als die führenden Player im Bereich der industriellen Saatgut- und Nahrungsmittelherstellung. Unter den 28 hauptsächlich beteiligten Unternehmen finden sich Namen wie Bayer, Nestlé, Monsanto und Cargill. Und sie alle setzen auf eine hoch effiziente, technologisierte und maximal profitsteigernde Produktion. Auf Prozesse also, an die die meist schlecht ausgebildete Landbevölkerung nur äußerst selten Anschluss finden kann. Die Wenigen, die tatsächlich eine Anstellung in einem der Großbetriebe finden, scheitern nicht selten an den hohen Anforderungen industrieller Landwirtschaft oder der Verpflichtung, patentiertes Saatgut teuer einzukaufen. Immer häufiger wird so auch vor allem Personal aus dem Ausland eingebunden, das das nötige Know-How für die Arbeit in einem wirtschaftsorientierten Großunternehmen besitzt und die Kleinbauern im Kampf um vorhandene Arbeitsplätze ausbootet. So steigt für viele Menschen die Perspektivlosigkeit. Nicht selten werden auch Familien getrennt, weil vor allem Männer häufig das Land verlassen müssen, um in den größeren Städten Arbeit zu finden. Die Frauen bleiben meistens ohne jeden rechtlichen Anspruch auf Land zurück. Und auch der Hunger wird durch Initiativen wie der „Neuen Allianz für Ernährungssicherheit“ keineswegs effektiv bekämpft. Denn die gesteigerte Lebensmittelproduktion kommt nicht etwa in erster Linie der lokalen Bevölkerung zu Gute, sondern wird vor allem auf lukrativere, ausländische Märkte  exportiert, wo höhere Gewinne erzielt werden können. 4) Forum Umwelt und Entwicklung: Die Neue Allianz für Ernährungssicherheit in Afrika: Ist die Initiative der G8-Länder geeignet, die Armut zu bekämpfen ?; Veröffentlicht 2013 5) EcoNexus.info: African Agricultural Growth Corridors and the New Alliance for Food Security and Nutrition; Veröffentlicht 2013

Trotz alldem kann die Initiative offiziell als Erfolg verkauft werden. Denn die Kriterien, nach denen der Plan, der angeblich so viele Menschen mit Nahrung versorgen soll, gemessen wird, berücksichtigen die tatsächliche Versorgungslage der Menschen in der Sub-Sahara erst gar nicht. Stattdessen orientiert man sich etwa vorrangig am „Doing-Business-Index“ der Weltbank, der allein die Investorenfreundlichkeit eines Landes misst, also zum Beispiel die Steuerlast für derartige Großunternehmen in einem afrikanischen Land. Dass derartige Standortvorteile nicht zwangsläufig in eine Verbesserung der allgemeinen Versorgungslage münden, scheint die kapitalfreundlichen Architekten der G8NA wenig zu beunruhigen. Irgendwann, so der ungestörte Glaube, werden auch die Ärmsten von den Gewinnen profitieren können. Bis zu diesem magischen Zeitpunkt in der Zukunft müssen sich die hungernden Kleinbauern jedoch damit abfinden, dass die selben Akteure, die für die rasante Beschleunigung der Klimaerwärmung verantwortlich sind, welche ihre Felder und Wasservorkommen austrocknet, jetzt auch noch die Flächen nehmen, von denen sie unbedingt abhängig sind. 6) Forum Umwelt und Entwicklung: Die Neue Allianz für Ernährungssicherheit in Afrika: Ist die Initiative der G8-Länder geeignet, die Armut zu bekämpfen ?; Veröffentlicht 2013

Gerade in Zeiten der Erderwärmung sind Programme wie die „Neue Allianz für Ernährungssicherheit“ die denkbar schlechtesten Mittel, um der drohenden Klimakatastrophe zu begegnen. Denn es sind genau die Kleinbauern, die in einer Jahrhunderte langen Tradition der Landwirtschaft gelernt haben, die Erde nachhaltig zu bewirtschaften. Nicht nur verlieren sie immer mehr ihre Lebensgrundlage und werden ersetzt durch klimaschädliche Systeme, es verschwinden auch zunehmend die vielleicht einzigen Akteure, die mit sinnvoller Unterstützung die Nahrungsversorgung für die lokale Bevölkerung sichern könnten. 7) Agrarkoordination.de: „New Alliance for Food Security and Nutrition in Africa“: Wer profitiert von der G8-Initiative?; Veröffentlicht 2013 8) Regional Environmental Change: Climate change impacts in Sub-Saharan Africa: from physical changes to their social repercussions; Veröffentlicht 2016

 

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Luis Schübl

Ich bin der Luis und habe gerade meinen Bachelor in Soziologie an der LMU abgeschlossen. Bevor mich die Theorie im Herbst wieder einholt, wollte ich noch etwas den Münchner Frühling und Sommer genießen. Damit die Gedanken über Politik und Gesellschaft nicht nur an der Isar oder dem Kletterfelsen Ausdruck finden, bin ich hier und hoffe, ich werde noch einiges lernen.

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