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Trotz des Reichtums an Bodenschätzen kann Guinea seiner Jugend kaum Perspektiven bieten

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 Trotz des Reichtums an Ressourcen leben die Menschen in Guinea in schwerer Armut. |  Bild: © Julien Harneis [CC BY-SA 2.0]  - flickr

Trotz des Reichtums an Ressourcen leben die Menschen in Guinea in schwerer Armut. | Bild: © Julien Harneis [CC BY-SA 2.0] - flickr

Trotz des Reichtums an Bodenschätzen kann Guinea seiner Jugend kaum Perspektiven bieten

Immer mehr Guineer entscheiden sich für die lange Odyssee nach Europa, um den armen Verhältnissen in ihrem Heimatland zu entfliehen. Im Jahr 2017 waren es mehr als 9400 Menschen, welche sich auf den Weg machten – jeden Monat kommen etwa 700 neue Flüchtlinge hinzu. Auf ihrem Weg in den Norden sind sie vielen Gefahren ausgesetzt und nur die wenigsten gelangen ohne physische oder psychische Schäden an ihr Ziel. Warum entscheiden sie sich also dafür, ihrer Heimat den Rücken zu kehren? Einer der Hauptgründe ist dabei die allgemeine Perspektivlosigkeit, welche jegliche Hoffnung auf eine bessere Zukunft zunichtemacht. Es herrscht seit langem Armut, wobei der Wille aus dieser auszubrechen, doch recht hoch ist in der Bevölkerung. Nur besteht dafür aufgrund fehlender Arbeitsmöglichkeiten keine Chance, denn es existieren kaum wichtige Unternehmen und Arbeitgeber, die ein gesichertes Einkommen ermöglichen könnten. Dabei ist die wichtigste Grundlage für eine florierende Wirtschaft längst vorhanden. So besitzt Guinea das weltweit größte Vorkommen an Bauxit sowie gewaltige Mengen an Eisenerz, Gold und Nickel. Dass all dies nicht schon längst zu einer allgemeinen Besserung der Lebensgrundlage geführt hat, weist auf politische Fehler und internationale Versäumnisse hin. 1) dw: Dilemma Migration: DW-Debatte in Guinea; Artikel vom 09.11.2017 2) derstandard: Wie Korruption und Armut Guineer aus ihrem Land treibt; Artikel vom 16.09.2018

Es ist jedoch nicht so, als würde niemand von dem guineischen Reichtum profitieren. Statt lokaler Unternehmer sind dies jedoch internationale Konzerne, welche durch eine finanzielle Abgabe an die Regierung umfassende Schürfrechte erwerben konnten. Wie an vielen anderen afrikanischen Schauplätzen auch ist insbesondere China stark in das lukrative Geschäft involviert. Eine klassische chinesische Vorgehensweise ist die Ausgrenzung der lokalen Bevölkerung bei der Rohstoffförderung – so stammen nicht nur die Ausrüstungsgegenstände, sondern auch ein Großteil der Arbeiterschaft ausschließlich aus China. Den Bewohnern Guineas gelingt es kaum, unternehmerisch tätig zu werden, da eine grundlegende Schulbildung bei den wenigsten Vorhanden ist. Es scheint nichts voran zu gehen – deshalb liegt das Land im Human Development Index bezeichnend auf Platz 183 von 188. 3) onetz: Neue Afrika-Hilfe stoppt Not und Flucht; Artikel vom 31.03.2017 4) derstandard: Wie Korruption und Armut Guineer aus ihrem Land treibt; Artikel vom 16.09.2018

Das kann jedoch nicht alleine an der schlechten wirtschaftlichen Situation liegen. Tatsächlich ist Guinea, welches erst 2010 seine Unabhängigkeit erlangen konnte, hinter dem demokratischen Vorhang von Korruption und Gewaltexzessen gekennzeichnet. Offiziell leben die Bewohner zwar in Harmonie, dennoch kommt es aufgrund der verschiedenen Ethnien immer wieder zu Konflikten. Einig ist sich die Bevölkerung in weiten Teilen nur in einem Punkt – dass die Regierung sich nicht genug für das Gemeinwohl einsetzt und in vielen Fällen nur für ihren eigenen Vorteil kämpft. Jährlich finden große Protestbewegungen statt, welche von der Opposition organisiert werden. Tatsächlich kommt es bei diesen auch immer wieder zu massiver Polizeigewalt, sodass bereits dutzende Todesopfer zu beklagen sind. Die Opposition findet sich in der Rolle des Unterdrückten wieder und fühlt sich bedroht – was insbesondere daran liegt, dass die Todesfälle von Seiten der Regierung aus nicht weiter untersucht werden. 5) hrw: Guinea: Deaths, Criminality in Post-Election Violence; Artikel vom 24.07.2018

Neben den kaum vorhandenen Wirtschaftsstandorten und der unterentwickelten Rechtstaatlichkeit hadert es auch noch an anderen Stellen. So sind wichtige Infrastrukturen ebenfalls massiv unterentwickelt und tragen ihren Teil dazu bei, dass ein Leben in den ländlichen Gebieten Guineas unerträglich wird. Zwar leidet das westafrikanische Land an keinem Wassermangel, dennoch fehlen wichtige Voraussetzungen wie beispielsweise eine grundlegende Stromversorgung, um auch abgelegene Standorte weiterhin lebenswert machen zu können. Außerdem fehlt neben der Schaffung von Bildungsperspektiven vor allem ein großflächiges Gesundheitssystem – was vor kurzem in Form einer schlimmen Ebola-Epidemie bitter zu spüren war. 6) derstandard: Wie Korruption und Armut Guineer aus ihrem Land treibt; Artikel vom 16.09.2018

Damit der Unmut sich nicht noch weiter verschärft und das Land zusehends destabilisiert wird, muss unbedingt gehandelt werden. Dass es auch friedlich geht, beweist der deutsche zivile Friedensdienst durch seine Kampagne. Er hat es geschafft, ein landesweites Gewaltpräventionsnetzwerk in Guinea aufzubauen, wobei die diversen Akteure lernen können, die Probleme ihres Landes ohne Gewalt zu diskutieren. Auch durch internationale Entwicklungsgelder und Investitionen kann theoretisch viel erreicht werden – wenn die Demokratie vor Ort gefestigt ist und Korruptionsnetzwerke bekämpft wurden. Am meisten sind jedoch internationale Konzerne gefragt. Sie allein können großflächig Arbeitsplätze und somit Zukunftsperspektiven schaffen, damit Guineas Jugend nicht mehr für das Streben nach einem besseren Leben das Land verlässt. Dabei muss unbedingt der Fokus auf die lokalen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse gelegt werden, um nicht durch eigene Profitgier die Situation der Bevölkerung noch zu verschlimmern. 7) onetz: Neue Afrika-Hilfe stoppt Not und Flucht; Artikel vom 31.03.2017 8) ziviler-friedensdienst: Hoffnung auf dem Pulverfass; Artikel zuletzt aufgerufen am 18.09.2018

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Über

Ich bin Student und bin grade dabei meinen Bachelor in Politikwissenschaft und Soziologie abzuschließen. Während meines Studiums habe ich ein Semester im Ausland verbracht. Währenddessen habe ich mich aktiv mit Peace and Conflict studies beschäftigt. Um mich in diesem Kontext noch weiter zu informieren und selbst aktiv zu werden, habe ich mich für ein Praktikum bei earthlink entschieden.

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