Seiten
Kategorien

Deutsche Konzerne verletzen im Ausland grundlegende Menschenrechte – die Bundesregierung könnte es verhindern

-

Kohlekraftwerk Medupi in Südafrika Das Kohlekraftwerk Medupi in Südafrika ist gesundheitsschädigend |  Bild: © JMK [CC BY-SA 3.0 ]  - Wikimedia Commons

Das Kohlekraftwerk Medupi in Südafrika ist gesundheitsschädigend | Bild: © JMK [CC BY-SA 3.0 ] - Wikimedia Commons

Deutsche Konzerne verletzen im Ausland grundlegende Menschenrechte – die Bundesregierung könnte es verhindern

Vergangene Woche veröffentlichten Germanwatch und MISEREOR zusammen eine Studie mit dem Namen „Globale Energiewirtschaft und Menschenrechte – Deutsche Unternehmen und Politik auf dem Prüfstand“. Erschreckende Missstände offenbaren sich in den Auslandsgeschäften deutscher Unternehmen im Energiesektor. Zwar sind es meist nicht die Unternehmen selbst, aber besonders bei größeren Projekten, in denen die Unternehmen mit Partnern arbeiten, kommt es häufig zu gewaltsamen Umsiedlungen, der Unterdrückung von Protesten und der Zerstörung der Natur. Die Organisationen werfen insgesamt acht deutschen Konzernen (darunter Siemens) und drei Banken der staatlichen KFW-Gruppe fehlende Beachtung der Menschenrechte bei den Importen von Rohstoffen vor. Insgesamt wurden 30 Unternehmen befragt 1) Epo: Zu wenig Energie für Menschenrechte; Artikel vom 21.06.17 2) Germanwatch: Bericht 2017: Globale Energiewirtschaft und Menschenrechte; Stand vom 22.06.17 3) Spiegel: Deutsche Firmen missachten Menschenrechte im Ausland; Artikel vom 21.06.17 .

Von der UN wurden Leitprinzipien für die Wirtschaft und Menschenrechte aufgestellt. Jene beinhalten Schutzpflichten durch den Staat, die unternehmerische Verantwortung und die Möglichkeit, dass Beschwerden von der Bevölkerung gehört und untersucht werden. Dazu gehört auch, dass die Unternehmen darauf achten, mit welchen Partnern sie zusammenarbeiten. Laut dem Bericht gibt es fünf verschiedene Vergehen, die in beliebiger Kombination bei den Projekten deutscher Unternehmen festgestellt wurden.  Bei dem Merowe-Staudamm im Norden des Sudans, bei dem Lahmeyer für die Inbetriebnahme zuständig war,  wurde ohne Absprache über Umsiedlungspläne mit den betroffenen Gemeinden mit dem Bau begonnen. Insgesamt mussten mindestens 40.000 Menschen aus 30 Dörfern umgesiedelt werden. Besonders erschreckend ist, dass bei der Flutung im August 2008 noch 4.700 Familien im Stauungsgebiet wohnten. Neben der gezwungenen Umsiedlung verloren jene Menschen auch noch ihre Habseligkeiten und damit ihre Lebensgrundlage. Im Kohlekraftwerk Medupi in Südafrika sind zahlreiche deutsche Unternehmen als Zulieferer und Dienstleister beteiligt, darunter die stattliche KfW IPEX-Bank. Das Kraftwerk steht in der Kritik, bestehende Höchstwerte an Schwefeldioxidemissionen nicht einhalten zu können. Eine unabhängige Untersuchung der Weltbank ergab, dass sich bis 2011 die Gesundheit der Anwohner verschlechtert hatte. Eine erhöhte Anzahl von Erkrankungen der Atemwege fiel zusammen mit einer erhöhten HIV-Rate, Armut und einer schlechten Gesundheitsvorsoge. Zudem gefährdet der hohe Wasserverbrauch des Kraftwerkes die Lebensgrundlage der Menschen in der regelmäßig von Dürren betroffenen Region. Bei Windkraftprojekten in Mexiko, bei denen Siemens beteiligt ist, wurde die Bevölkerung nicht ausreichend darüber aufgeklärt, was mit ihrem Land passieren wird. Sie dürfen den produzierten Strom nicht selbst benutzen. Proteste werden gewaltsam unterdrückt 4) Germanwatch: Bericht 2017: Globale Energiewirtschaft und Menschenrechte; Stand vom 22.06.17 .

In Frankreich, Großbritannien oder den Niederlanden gibt es Gesetze, die Unternehmen verpflichten, Menschenrechte bei ihren Auslandsgeschäften einzuhalten. In Deutschland gibt es dagegen keine verbindlichen Erlasse, Leidtragende haben zudem auch nicht die Möglichkeit, vor deutschen Gerichten zu klagen. Etwas Hoffnung besteht allerdings: die Bundesregierung plant ab 2018 eine jährliche Überprüfung der Unternehmen einzuführen, die je nach Ergebnis ab 2020 zu gesetzlichen Vorgaben führen könnte. Germanwatch und MISEREOR begrüßen diesen Schritt, fordern aber Transparenz bei der Prüfung und nach entsprechenden Befunden Konsequenzen, wie die Streichung der staatlichen Förderung für betreffende Konzerne 5) Epo: Zu wenig Energie für Menschenrechte; Artikel vom 21.06.17 6) Spiegel: Deutsche Firmen missachten Menschenrechte im Ausland; Artikel vom 21.06.17 7) Germanwatch: Bericht 2017: Globale Energiewirtschaft und Menschenrechte; Stand vom 22.06.17 .

Beitrag teilen und unterstützen! (Bisher 21 Mal geteilt)

Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Weitere interessante Infos:
Nigeria women Nigerianisches Mädchen und ihre Schwester im Flüchtlingscamp in Maiduguri, Nordost-Nigeria | Bild (Ausschnitt): © USAID [(CC BY-NC 2.0) ] - flickr

Ein Jahrzehnt von Gewalt und Terror: Wie Boko Haram nigerianische Frauen für seine Zwecke benutzt

Am Freitag, den 26. Juli, jährte sich zum 10. Mal die Ermordung des Führers und Gründers von Boko Haram, Mohammed Yusuf. Dieser Tag löste ein Jahrzehnt von Gewalt und bewaffnetem Konflikt zwischen der aufständischen Gruppe ...
Konsum im Supermarkt Deutsche Supermarktketten achten viel zu wenig auf Ausbeutung entlang ihrer Lieferketten | Bild (Ausschnitt): © Grafner - Dreamstime.com

Oxfam-Studie zu Nachhaltigkeit: Miserable Bilanz für Edeka, Rewe, Lidl und Aldi

Eine neue Studie von Oxfam zeigt, wie wenig die großen deutschen Supermarktketten auf Menschenrechte achten. Am schlechtesten schnitt Marktführer Edeka ab. Ausbeutung von Arbeitskräften und Gewalt gegen Frauen interessiert den Lebensmittelgiganten überhaupt nicht - die ...
Cordillera Blanca Peru Tocllaraju Berg im peruanischen Cordillera Blanca ist vom Klimawandel bedroht | Bild (Ausschnitt): © twiga269 [(CC BY-NC 2.0) ] - Flickr

Klimawandel: Gletscherschmelze zwingt Bewohner der peruanischen Anden zur Flucht

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben sich die Naturkatastrophen in den letzten 20 Jahren als Folge des Klimawandels verdoppelt. Allein im Jahr 2017 waren rund 19 Millionen Menschen weltweit durch Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Tsunamis, ...
 Avocados wurden durch eine millionenschwere Marketingstrategie zum beliebten Superfood | Bild (Ausschnitt): © Leandroid [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Avocado: Die Schattenseiten hinter dem Superfood

Unglaublich gesund, Instagram-tauglich und Superfood: Der Avocado-Boom wird jedes Jahr größer - in den letzten zehn Jahren hat sich die Importmenge mehr als verdreifacht. Doch die enorme Nachfrage hat massive negative Auswirkungen auf Mensch, Tier, ...
Jeder kann mit dem Kauf von Fairtrade Produkten dazu beitragen, Armut zu bekämpfen und Fluchtgründe zu zerstören Jeder kann mit dem Kauf von Fairtrade Produkten dazu beitragen, Armut zu bekämpfen und Fluchtgründe zu zerstören | Bild (Ausschnitt): © Eigenes Foto -

Fairtrade trägt dazu bei, Fluchtgründe zu bekämpfen

Es ist Montag Morgen und die Woche beginnt von neuem. Geschäftig bewegen sich Millionen Menschen weltweit zu ihrer Arbeitsstätte. Besonders in den Industriestaaten zählt für viele ein Kaffee dabei zum absoluten Standard. Ob am Morgen ...
Um die Produktion in einem syrischen Zementwerk während des Bürgerkrieges am Laufen zu halten, soll Lafarge dem Islamischen Staat unter anderem Wegzölle gezahlt haben. Um die Produktion in einem syrischen Zementwerk während des Bürgerkrieges am Laufen zu halten, soll Lafarge dem Islamischen Staat unter anderem Wegzölle gezahlt haben. | Bild (Ausschnitt): © Phil Sangwell [CC BY 2.0] - Wikimedia Commons

Französischer Konzern unter Verdacht in Syrien mit dem IS kooperiert zu haben

Vor knapp einem Jahr wurde der französische Großkonzern Lafarge (heute LafargeHolcim) in Frankreich von Ermittlungsrichtern der Mittäterschaft bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Finanzierung eines terroristischen Unternehmens und Gefährdung von Menschenleben angeklagt. Der Vorwurf: Das Unternehmen, ...
Ausführlicher Hinweis zum Datenschutz
[contentblock id=datenschutz]

Diesen Hinweis schließen

Jetzt den earthlink-Newsletter abonnieren:



Das Formular
wird geladen -
bitte einen Moment ...
PGlmcmFtZSBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYm9yZGVyPSIwIiBzdHlsZT0iYm9yZGVyOm5vbmU7IiBjbGFzcz0iYXV0b0hlaWdodCIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LmVhcnRobGluay5kZS8/d3BtbG1ldGhvZD1vZmZzaXRlJmlmcmFtZT0xJmxpc3Q9MSIgaGVpZ2h0PSI0MDAiPg0KCTxwPkRhcyBGb3JtdWxhciBsw6RkIC0gYml0dGUgZWluZW4gTW9tZW50IHdhcnRlbiAuLi48L3A+DQo8L2lmcmFtZT4=
Ihre Daten behalten wir für uns!
Unsere Datenschutzerklärung
Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Liebe Leserinnen und Leser:

Verzeihen Sie bitte die Störung. Heute bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Unsere Kampagne "Fluchtgrund" erfährt großen Zuspruch und viel Lob für die umfangreichen und fundierten Informationen, die wir auf dieser Website bieten. Die Informationen werden genutzt von Interessierten, die sich objektiv über die Gründe informieren möchten, die Menschen dazu bringen ihre angestammte Heimat zu verlassen, von Schülerinnen und Schülern um Referate vorzubereiten, aber auch von Journalistinnen und Journalisten auf der Suche nach detaillierten Hintergrundinformationen. Aber nur ein Bruchteil der Nutzer spendet.

Trotzdem ein großer Teil der Arbeit durch Ehrenamtliche erbracht wird, kostet die Kampagne auch Geld. Hier sind wir auf Ihre Spende angewiesen! Wenn alle, die dies lesen, einen kleinen Beitrag leisten, hätten wir in einem Monat das Geld zusammen, das wir für ein Jahr benötigen. Schon der Preis einer Tasse Kaffee würde genügen. Es ist leicht, diese Nachricht nicht zu beachten und die meisten werden das wohl tun.

Wenn Sie diese Website nützlich finden, nehmen Sie sich jetzt bitte eine Minute Zeit und geben Sie mit Ihrer Spende etwas zurück. Herzlichen Dank!

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Sie können uns Ihre Spende online per PayPal zukommen lassen. Wenn Sie noch kein PayPal-Konto haben, können Sie hier auch mit Kreditkarte spenden.

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft!

Ihre Spende können Sie gerne auf unser Spendenkonto überweisen oder einzahlen:

[contentblock id=spendenkonto]

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?