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Überschwemmung in Kolumbien: Illegale Rodung verschärft Katastrophe

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Bild eines gerodeten Waldgebietes  Bild: ©  crustmania [CC BY 2.0]  - flickr.com

Bild: © crustmania [CC BY 2.0] - flickr.com

Überschwemmung in Kolumbien: Illegale Rodung verschärft Katastrophe

Riesige Flutwellen aus Wasser und Schlamm führten in der kolumbianischen Stadt Mocoa am vergangenen Wochenende zu großen Verwüstungen und forderten viele Verletzte und Tote. Die veröffentlichten Zahlen hierzu steigen noch: Aktuell spricht man von 273 Todesopfern. 1) Süddeutsche Zeitung: Schlammkatastrophe: Kolumbiens Regierung weitet Nothilfe aus; Artikel vom 04.04.17

In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde die 40.000-Einwohner Stadt von den Wassermassen überrascht. Außergewöhnlich heftige Regenfälle führten zu einem schnellen Anstieg der Wasserpegel dreier nahegelegener Flüsse, die daraufhin über die Ufer traten. Die Wassermassen entwickelten eine enorme Wucht, die Häuser mitriss, Brücken zerstörte und ganze Stadtviertel überschwemmte. An den steilen Berghängen der Umgebung lösten die Fluten zusätzlich Erdrutsche aus. 2) Süddeutsche Zeitung: Die Tragödie von Mocoa; Artikel vom 02.04.17 Noch immer ist die Situation dramatisch. Rettungskräfte suchen in den Trümmern nach weiteren Überlebenden. Die Verletzten, die geborgen werden, können nicht alle ausreichend medizinisch versorgt werden. Es fehlt an Medikamenten und medizinischem Personal. Auch die Verbreitung von Seuchen stellt eine drohende Gefahr dar. 3) Tagesschau: „Das ist ein solches Trauma“; Artikel vom 03.04.17

Wie kann es zu einer Zerstörung solchen Ausmaßes kommen?

Umweltexperten weisen auf ungünstige Bedingungen vor Ort hin, die das Ausmaß der Zerstörung verschlimmern. Hierzu zählt zum einen die illegale Abholzung, insbesondere an Berghängen. Baumwurzeln dienen der Stabilität des Bodens. Bei einer großflächigen Rodung erhöht sich die Gefahr von Erdrutschen bei Regenfällen.4)Süddeutsche Zeitung: Die Tragödie von Mocoa; Artikel vom 02.04.17 5)WWF Deutschland: Die Wälder der Welt – ein Zustandsbericht, Stand Mai 2011 Zum Anderen wird die Bebauung von Flächen, die sehr nahe am Fluss liegen, kritisch gesehen. Der Umweltschützer Rodrigo Botero sieht hier großen Handlungsbedarf vor Ort und fordert Umsiedlungen und eine verbesserte Stadtplanung. In der kolumbianischen Zeitung La Semana rät er weiter zu einer strengeren Kontrolle der Bodennutzung in der nahen Umgebung der Siedlung, die oben genannte Abholzung verhindern soll. Er geht davon aus, dass in Zukunft weiter mit ähnlichen Umweltereignissen zu rechnen ist. 6) Semana: Mocoa: ¿Furia de la naturaleza?; Artikel vom 01.04.17 7)Die Zeit: Die Menschen sind mit schuld; 03.04.17

Eine wichtige Ursache für die illegale Rodung von Waldflächen stellt die große Nachfrage aus Europa nach Palmöl und Soja dar. Aber auch andere Produkte, die wir in unserem Alltag selbstverständlich konsumieren wie Schokolade, Zucker und auch Lederwaren sorgen für eine, in den meisten Fällen illegale, Abholzung von Tropenwäldern. Nach dem Bericht der Brüsseler Umweltorganisation Fern zählt Deutschland zu einem der Hauptabnehmer dieser Güter in Europa. Diese Abholzung kann, wie bei den Überflutungen in Kolumbien, das Ausmaß der Zerstörung noch vergrößern. Darüber hinaus bringt die Abholzung ebenfalls negative Konsequenzen für das globale Klima mit sich. Wälder dienen als Kohlenstoffsenker, ihre großflächige Rodung führt somit langfristig zu einem Anstieg der Treibhausgase – und verstärkt den Klimawandel. 8) fern: Annual Report 2015; nicht mehr verfügbar 9) Informationsamt der Bundesregierung: Kampf gegen Abholzung; Artikel vom 19.03.2015 10)WWF Deutschland: Die Wälder der Welt – ein Zustandsbericht, Stand Mai 2011

Heftige Regenfälle sind zunächst nichts Ungewöhnliches auf dem südamerikanischen Kontinent. Von April bis November herrscht in Kolumbien Regenzeit – es regnet in diesen Monaten, meist sehr regelmäßig, einmal pro Tag. 11) 7o7 Marketing GmbH: Kolumbien Klima, Stand vom 04.04.17 In der Nacht von Freitag auf Samstag habe es jedoch 30 Prozent der Wassermenge geregnet, die es sonst durchschnittlich in einem ganzen Monat regne, erklärte der Präsident des Landes, Juan Manuel Santos. 12) La jornada maya: Avalancha en Columbia; Artikel vom 01.04.07 Er macht den Klimawandel für die ungewöhnlich starken Regenfälle verantwortlich. 13) Der Spiegel: Mehr als 150 Tote bei Überschwemmungen in Kolumbien; Artikel vom 01.04.17 Diese Meinung teilen auch Umweltexperten, die den Anstieg extremer Wetterphänomene auf den Klimawandel zurückführen. 14) Süddeutsche Zeitung: Die Tragödie von Mocoa; Artikel vom 02.04.17

Dass Menschen aufgrund von Umweltkatastrophen ihr Haus und ihre Heimat verlieren oder zur Flucht gezwungen werden, ist ein Phänomen, das wir auch in anderen Regionen dieser Welt beobachten können. Klimaveränderungen, wie beispielsweise die Ausbreitung von Wüstengebieten oder die Überflutungen von Küstenregionen und Inseln, führen zu einem Verlust an Lebensraum. 15) Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V.: Klimaflucht; nicht mehr verfügbar Bei Menschen, die in Folge dieser Ereignisse ihre Existenz aufgeben und fliehen, sprechen wir von sogenannten Klimaflüchtlingen. Noch sind die Prognosen recht ungenau, jedoch werden bis 2050 zwischen 50 und 350 Millionen Flüchtende erwartet, die ihren Wohnort klimabedingt verlassen. 16) Frankfurter Allgemeine Zeitung: Das Leben der anderen ist armselig und kurz; Artikel vom 22.09.15 Durch die hohen CO2-Emissionen tragen die Industrienationen zur der Entstehung des Klimawandels bei. Doch wie deutlich wurde, ist dies ist nicht die einzige Mitverantwortung. Auch die Abrodung der Regenwälder, die durch die Nachfrage nach beispielsweise Palmöl befördert wird, ist ein Faktor des Klimawandels. 17)WWF Deutschland: Die Wälder der Welt – ein Zustandsbericht, Stand Mai 2011 18)Die Zeit: Das globalisierte Risiko; Artikel vom 29.10.14

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Sofie / earthlink
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