Seiten
Kategorien

Illegale Holzwirtschaft in Brasilien verstärkt die Vertreibungen von Kleinbauern

-

Regenwald Brasilien Regenwald Brasilien |  Bild: © Jose Roberto V Moraes  [CC BY 2.0]  - Flickr

Regenwald Brasilien | Bild: © Jose Roberto V Moraes [CC BY 2.0] - Flickr

Illegale Holzwirtschaft in Brasilien verstärkt die Vertreibungen von Kleinbauern

Weit mehr als die Hälfte des Holzes aus den beiden größten Holzbaugebieten Brasiliens stammt vermutlich aus illegalen Quellen. 78 Prozent des Holzes aus dem riesigen Amazonas Staat Pará und 54 Prozent des Holzes aus Mato Grosso werden illegal gefällt. 1) The Guardian: Brazil laundering illegal timber on a ‚massive and growing scale‘; Artikel vom 15.05.2014

In Brasilien wird illegaler Holzeinschlag in wachsendem Übermaße betrieben und anschließend an unwissentliche Käufer in Großbritannien, USA, Europa und China verkauft. Aufgrund der schlechten Kontrollsysteme ergibt sich den Großgrundbesitzern die Möglichkeit, mehr Bäume zu fällen, als es ihnen rechtlich zusteht. Diese verkaufen sie anschließend an Holzfabriken und andere Landwirte weiter. Die Situation verschlimmert sich rapide. Zwischen 2011 und 2012 stieg der Bereich der illegalen Holzabschlagung um 151 Prozent in Pará und um 63 Prozent in Mato Grosso. 2) The Guardian: Brazil laundering illegal timber on a ‚massive and growing scale‘; Artikel vom 15.05.2014

Die illegalen Holzfäller verwenden verschiedene betrügerische Techniken: die Verfälschung der Anzahl und Größe von seltenen Bäumen,  das Fällen von Bäumen, die unter Naturschutz stehen und übermäßige Abholzung.  Auch Vertreter der Waldbewirtschaftung sind in das Fehlverhalten verwickelt und in der Vergangenheit wurden schon mehrere für ähnliche Verbrechen verurteilt oder verhaftet. Der weit verbreitete Missbrauch von geltenden Vorschriften für die Abholzung  ermöglicht es illegalen Holzfällern, fragwürdige Kredite zu beziehen.  Das unkontrollierte Fällen von Holz ist oft der erste Schritt zur Entwaldung. Die Extraktion der wertvollsten Bäume reduziert die Überschirmung der Baumkronen und es entstehen Pfade, die oftmals zum Ausgangspunkt von Bränden für die illegale Landabfertigung verwendet werden. 3) The Guardian: Brazil laundering illegal timber on a ‚massive and growing scale‘; Artikel vom 15.05.2014

Aufgrund der Machtübernahme durch private Großgrundbesitzer und der Freigabe von Land für internationales Kapital sowie der partiellen Auflösung der Agrarreform entstehen Konflikte, die zu Gewalttaten, Auftragsmorden und Vertreibungen führen. Bei dem Massaker am 20.April 2017 im Landkreis Colniza in Mato Grosso wurden mindestens acht Menschen getötet. Darunter auch Kinder und Jugendliche. Viele Menschen wurden verletzt oder gelten immer noch als vermisst. Seit Jahren ist diese Region Schauplatz von teilweise tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Landlosen und Grundbesitzern. 4) Amerika21: Zehn Tote bei Massaker an Landlosen in Brasilien; Artikel vom 24.04.2017  Im Jahr 2016 waren 910.000 Menschen in ganz Brasilien in Landkonflikte involviert und 61 Indigene, Kleinbauern und Landlose sind ermordet worden. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Morde um 22 Prozent angestiegen. Das ist der höchste Wert seit 2003. Damit steht Brasilien an der Spitze von Todesfällen in Auseinandersetzungen um  Land. Zudem sind in 2016 die Fälle von Vertreibungen von Bauern um mehr als das Doppelte gestiegen. 5) Carta Capital: 2016 tem aumento de 232% na expulsão de famílias do campo; nicht mehr verfügbar  All diese Faktoren bilden eine erhebliche Gefahr für die Bevölkerung auf dem Land und den sozialen Frieden in Brasilien.

Nach einer zweijährigen Untersuchung deckte Greenpeace einen systematischen Missbrauch und ein fehlerhaftes Kontrollsystem in der Holzwirtschaft auf. Dieses widerspricht den Ansprüchen der brasilianischen Regierung, das Problem der Entwaldung im Amazonasgebiet zu bewältigen.  Es werden somit alarmierende Lücken in der Regierungskontrolle deutlich. „Die Regierung ist nicht in der Lage zu überprüfen, wann die Erlaubnis für die Fällung erteilt wird“, sagte Marcio Astrini, Aktivist für Greenpeace. „Das Regierungssystem ist schwach, unsicher und unfähig, den Kunden zu versichern, dass sie nachhaltiges Holz kaufen. So finanzieren die Käufer in Brasilien und Übersee unwillkürlich die kriminellen Machenschaften.“ Die Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet sei absolut außer Kontrolle. Das derzeitige Kontrollsystem wird dazu verwendet, um illegale Erträge mit der gesetzwidrigen Holzwirtschaft zu generieren, berichtet Astrini. Die Untersuchung dürfte den Druck auf die Regierung  erhöhen, ihre Überwachungs- und Zertifizierungssysteme zu verschärfen, um den Schaden im Amazonas zu minimieren. 6) The Guardian: Brazil laundering illegal timber on a ‚massive and growing scale‘; Artikel vom 15.05.2014

Die brasilianische Regierung hat die Probleme im System erkannt, obwohl sie das Ausmaß der illegalen Holzfällung bestreitet. Im vergangenen Monat sagte das brasilianische Umweltministerium, dass die illegale Holzwirtschaft in Pará für den rechtswidrigen Verkauf von 26,8 Millionen Kubikmeter Waldprodukten verantwortlich sei. Bisher behaupten Regierungsbeamte, dass sie die Ursachen und Schlupflöcher identifiziert haben und angemessen handeln. Aber die Bundesstaatsanwälte in Pará sind von den bisherigen Ergebnissen nicht überzeugt. Die Behörden müssen das Kontrollsystem verschärfen und die Anzahl an Inspektionen erhöhen, um die Richtigkeit und die Rechtsgültigkeit der Holzfällungen überprüfen zu können. 7) The Guardian: Brazil laundering illegal timber on a ‚massive and growing scale‘; Artikel vom 15.05.2014 Dies könnte den Konflikt zwischen den Kleinbauern und Großgrundbesitzern schwächen und die Gewalt, Ausbeutung und Vertreibungen der Landlosen reduzieren.

Beitrag teilen und unterstützen! (Bisher 0 Mal geteilt)

Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Über

Studentin der Wirtschaftswissenschaften. Ambitioniert und engagiert. Große Optimistin die Welt verbessern zu können. Bei Earthlink möchte ich Informationen zu entwicklungspolitischen Themen verbreiten, die sonst eher vernachlässigt werden.

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Weitere interessante Infos:
 | Bild (Ausschnitt): © Gabriel [CC BY 2.0] - flickr

Afrika: Die Folgen der Kolonialzeit sind heute immer noch zu spüren

Der vorwiegend in der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnende europäische Kolonialismus in Afrika leitete auf dem Kontinent einen grundlegenden Strukturwandel ein, der bis heute spürbar ist und negative Konsequenzen mit sich bringt. Armut, Perspektivlosigkeit, Gewalt ...
UN-Friedensmission in Mali UN Security Council convoy drives through the streets of Mopti, Northern Mali. | Bild (Ausschnitt): © United Nations Photo [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

MINUSMA – Auch sechs Jahre nach Beginn der UN-Mission kehrt in Mali keine Ruhe ein

Mali – Durch den Ausbruch eines Konfliktes machte das westafrikanische Land im Jahr 2012 traurige Schlagzeilen. Nach dem Sturz des libyschen Machthabers Muammar-al Gaddafi im Jahre 2011 verbündeten sich malische Tuareg-Kämpfer, die für Gaddafi gekämpft ...
Rohdiamant in der Hand eines Bergarbeiters. Rohdiamant in der Hand eines Bergarbeiters | Bild (Ausschnitt): © Anchesdd - Dreamstime.com

Land Grabbing in Sierra Leone: Wie ausländische Investoren der Bevölkerung die Lebensgrundlage nehmen

Rohstoffvorkommen sind in der Welt sehr ungleich verteilt. Gerade die ärmsten Länder dieser Erde verfügen über wertvolle Bodenschätze sowie fruchtbares Land, was sehr gut einen Beitrag dazu leisten könnte, die Armut in diesen Ländern zu ...
Nigeria women Nigerianisches Mädchen und ihre Schwester im Flüchtlingscamp in Maiduguri, Nordost-Nigeria | Bild (Ausschnitt): © USAID [(CC BY-NC 2.0) ] - flickr

Ein Jahrzehnt von Gewalt und Terror: Wie Boko Haram nigerianische Frauen für seine Zwecke benutzt

Am Freitag, den 26. Juli, jährte sich zum 10. Mal die Ermordung des Führers und Gründers von Boko Haram, Mohammed Yusuf. Dieser Tag löste ein Jahrzehnt von Gewalt und bewaffnetem Konflikt zwischen der aufständischen Gruppe ...
 Die Massentierhaltung für unseren Konsum fördert Welthunger und Fluchtgründe | Bild (Ausschnitt): © James Hill [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Sojaanbau, Abholzung & Klimawandel – Wie unser Fleischkonsum zu Fluchtursachen beiträgt

Wie wir uns ernähren, welche Konsumentscheidungen wir treffen und wie viel Wert wir auf regionale und saisonale Produkte legen, hat nicht nur unmittelbare Auswirkungen für uns selbst, sondern auch auf Menschen in anderen Ländern. So ...
Konsum im Supermarkt Deutsche Supermarktketten achten viel zu wenig auf Ausbeutung entlang ihrer Lieferketten | Bild (Ausschnitt): © Grafner - Dreamstime.com

Oxfam-Studie zu Nachhaltigkeit: Miserable Bilanz für Edeka, Rewe, Lidl und Aldi

Eine neue Studie von Oxfam zeigt, wie wenig die großen deutschen Supermarktketten auf Menschenrechte achten. Am schlechtesten schnitt Marktführer Edeka ab. Ausbeutung von Arbeitskräften und Gewalt gegen Frauen interessiert den Lebensmittelgiganten überhaupt nicht - die ...
Ausführlicher Hinweis zum Datenschutz
[contentblock id=datenschutz]

Diesen Hinweis schließen

Jetzt den earthlink-Newsletter abonnieren:



Das Formular
wird geladen -
bitte einen Moment ...
PGlmcmFtZSBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYm9yZGVyPSIwIiBzdHlsZT0iYm9yZGVyOm5vbmU7IiBjbGFzcz0iYXV0b0hlaWdodCIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LmVhcnRobGluay5kZS8/d3BtbG1ldGhvZD1vZmZzaXRlJmlmcmFtZT0xJmxpc3Q9MSIgaGVpZ2h0PSI0MDAiPg0KCTxwPkRhcyBGb3JtdWxhciBsw6RkIC0gYml0dGUgZWluZW4gTW9tZW50IHdhcnRlbiAuLi48L3A+DQo8L2lmcmFtZT4=
Ihre Daten behalten wir für uns!
Unsere Datenschutzerklärung
Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Liebe Leserinnen und Leser:

Verzeihen Sie bitte die Störung. Heute bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Unsere Kampagne "Fluchtgrund" erfährt großen Zuspruch und viel Lob für die umfangreichen und fundierten Informationen, die wir auf dieser Website bieten. Die Informationen werden genutzt von Interessierten, die sich objektiv über die Gründe informieren möchten, die Menschen dazu bringen ihre angestammte Heimat zu verlassen, von Schülerinnen und Schülern um Referate vorzubereiten, aber auch von Journalistinnen und Journalisten auf der Suche nach detaillierten Hintergrundinformationen. Aber nur ein Bruchteil der Nutzer spendet.

Trotzdem ein großer Teil der Arbeit durch Ehrenamtliche erbracht wird, kostet die Kampagne auch Geld. Hier sind wir auf Ihre Spende angewiesen! Wenn alle, die dies lesen, einen kleinen Beitrag leisten, hätten wir in einem Monat das Geld zusammen, das wir für ein Jahr benötigen. Schon der Preis einer Tasse Kaffee würde genügen. Es ist leicht, diese Nachricht nicht zu beachten und die meisten werden das wohl tun.

Wenn Sie diese Website nützlich finden, nehmen Sie sich jetzt bitte eine Minute Zeit und geben Sie mit Ihrer Spende etwas zurück. Herzlichen Dank!

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Sie können uns Ihre Spende online per PayPal zukommen lassen. Wenn Sie noch kein PayPal-Konto haben, können Sie hier auch mit Kreditkarte spenden.

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft!

Ihre Spende können Sie gerne auf unser Spendenkonto überweisen oder einzahlen:

[contentblock id=spendenkonto]

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?