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Globaler Süden: Megakonzerne Monsanto und Bayer gefährden die Existenz kleiner Bauernbetriebe

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Fusion Bayer Monsanto Mögliche Fusion von Bayer und Monsanto |  Bild: © Friends of the Earth Europe - Flickr

Mögliche Fusion von Bayer und Monsanto | Bild: © Friends of the Earth Europe - Flickr

Globaler Süden: Megakonzerne Monsanto und Bayer gefährden die Existenz kleiner Bauernbetriebe

Am Freitag wird in Bonn die Bayer-Hauptversammlung stattfinden. Oberster Punkt der Tagesordnung wird die Fusion der Konzerne Monsanto und Bayer sein. Bayer ist ein Life-Science-Unternehmen, wie es sich selber nennt. Mit seiner 150-jährigen Geschichte liegen seine Kernkompetenzen auf den Gebieten Gesundheit und Agrarwirtschaft, also in der chemischen und pharmazeutischen Industrie. 1) www.bayer.de: Profil und Organisation; Stand vom 26.04.17 Monsanto ist ein Riesen-Konzern, der in der Biotechnologie sowie in der Chemiebranche tätig ist. Monsanto ist nach DuPont der zweitgrößte Saatgutanbieter und der größte Anbieter von Gentechnik-Saatgut. Der Konzern besitzt Niederlassungen in 66 Ländern und hat einen jährlichen Umsatz von mehreren Milliarden Dollar.

Wie sich Monsanto Macht verschafft

Monsanto will die globale Landwirtschaft vollständig unter seine Kontrolle bringen und setzt dabei folgende Strategien ein: Seit 1999 kaufte Monsanto für mehr als 13 Milliarden Dollar Saatgutfirmen auf der ganzen Welt. Konkurrenten oder Firmen, die eine Gefahr darstellten,  wurden somit aus dem Weg geschafft. Die zweite Strategie ist das Patentieren. Bereits in den 1980er und 90er Jahren erwarb Monsanto in den USA bedeutende Patente auf Gene und gentechnische Methoden. Die Kombination aus Patentrecht und Gentechnik gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, die gesamte Kette der Nahrungsmittelproduktion zu dominieren. Monsanto bindet die Landwirte an Verträge und sichert sich Lizenzrechte, sodass die Ernte niemals den Bauern alleine gehört. Die dritte Taktik heißt Kontrolle. Durch die Verträge, die Monsanto mit den Käufern des Saatguts abschließt, müssen sich die Landwirte an Folgendes halten: Sie dürfen beispielsweise die eigene Ernte nicht als Saatgut verwenden, sie müssen ihre Chemikalien bei Monsanto erwerben, sie unterliegen einer Schweigepflicht, falls es zu Konflikten kommen sollte und sie müssen Detektiven Monsantos stets Zutritt zu ihrem Land gewähren. Es wird ihnen zusätzlich verwehrt, Monsanto zu verklagen, sollte das Gentech-Saatgut im Anbau versagen.

Die Macht, die die Fusion von Bayer und Monsanto mit sich bringen könnte, ist nicht zu unterschätzen. Die Marktkonzentration hat zunehmenden Einfluss auf Beschlüsse in Gremien der Vereinten Nationen, wie zum Beispiel auf den Saatgutvertrag der Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation (FAO). Wenn in Zukunft nur noch drei Konzerne den Großteil des kommerziellen Weltsaatgutmarktes abdecken, wird sich ihr politischer Einfluss um ein Vielfaches erhöhen.

Glyphosat – Segen oder Fluch?

Glyphosathaltige Pflanzenvernichtungsmittel werden seit ihrer Markteinführung mit Begriffen wie »Erntesicherung« oder »optimale Anwender-Flexibilität« beworben. Es werden Versprechen wie „effektive Ernte“, „Einsparen von Arbeitszeit“ und „Prozessoptimierung“ gemacht. Auch von einer »sehr guten Umweltverträglichkeit« der Produkte ist die Rede, verbunden mit dem Hinweis, dass sie »in jeder Hinsicht den Anforderungen an eine moderne, umweltschonende und gleichzeitig leistungsfähige Landwirtschaft« gerecht werden. Doch laut zahlreicher Studien und Berichte scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. 2) www.albert-schweitzer-stiftung.de: Glyphosat: Auswirkungen auf die Natur; Artikel vom 14.06.14 Die Pestizide, die Bayer und Monsanto exportieren und verkaufen, sind schädlich und gefährlich für die Umwelt und die Gesundheit von Menschen und Tieren. Bayer exportiert hochgiftige Pestizide, hauptsächlich das Herbizid Glyphosat, in den globalen Süden. Laut eines aktuellen Berichts der Vereinten Nationen sterben jährlich 200.000 Menschen an akuter Pestizidvergiftung. 99 Prozent der Todesfälle ereignen sich in Entwicklungsländern. 3) inkota.de: Bayer und Monsanto – bleibt uns vom Acker; Stand vom 26.04.17 Das Pestizid Aktions-Netzwerk geht davon aus, dass weltweit bis zu 41 Millionen Menschen an den gesundheitlichen Auswirkungen von Pestiziden leiden. 4) www.pan-germany.org: Glyphosat; Stand vom 26.04.17 Es bestehen bei Menschen Zusammenhänge zwischen Glyphosat und Fehlbildungen sowie Fehlgeburten. Eine neue Studie weist zudem darauf hin, dass das Herbizid Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes, Depressionen und Krebs  herbeiführen könnte. 5) www.albert-schweitzer-stiftung.de: Glyphosat: Auswirkungen auf die Natur; Artikel vom 14.06.14

Sagt Monsanto die Wahrheit?

Monsanto selbst präsentiert sich auf seiner eigenen Webseite als der Weltretter, der den Menschen nur das Beste ermöglichen möchte und Wert auf die Umwelt und Nachhaltigkeit legt. Der Konzern schmückt sich mit Aussagen, die sich bei intensiverer Recherche nicht bewahrheiten. Ein Beispiel hierfür: Auf die Frage, ob sie Landwirte verklagen, die Spuren von Monsanto Saatgut auf ihren Feldern haben, ist ihre Antwort ein klares Nein. „Wir haben niemals Landwirte verklagt, auf deren Felder sich aufgrund von Zufall oder versehentlich Spuren von unserem patentierten Saatgut finden.“ 6) www.monsanto.com: Myths Facts; Link nicht mehr verfügbar Fakt ist jedoch, dass Monsanto eine eigene Rechtsabteilung mit 75 Mitarbeitern und einem jährlichen Budget von 10 Millionen Dollar hat, die sich ausschließlich um mögliche Patentverletzungen durch Landwirte beschäftigt. Jährlich nimmt das Unternehmen hunderte Untersuchungen wegen „Saatgutpiraterie“ auf,. Farmer, Kleinunternehmen und Landwirtschaftsfirmen sind in die Verfahren verstrickt.  Gerichtsfälle wie beispielsweise der vom kanadischen Raps-Farmer Percy Schmeiser belegen dies. 7) www.greenpeace.de: Monsantos Machtstrategien; Stand vom 26.04.17

Ein weiteres Problem haben Monsanto und Bayer noch nicht begriffen. Wie auch Inkota bestätigt, liegt die Wurzel des globalen Hungerproblems nicht im Mangel an Nahrungsmitteln, sondern im mangelenden Zugang großer Teile der Weltbevölkerung zu den vorhandenen Lebensmitteln. Es wären genug Nahrungsmittel für alle da, und trotzdem leiden täglich 800 Millionen Menschen an Mangelernährung. 8) inkota.de: Bayer und Monsanto – bleibt uns vom Acker; Stand vom 26.04.17 Doch die beiden Agrarkonzerne präsentieren ausschließlich Produktionssteigerung als Lösung. „Die weltweite Lebensmittelproduktion muss bis 2050 um 60 Prozent gesteigert werden“, so die Botschaft des Bayerkonzerns. 9) bayer.de: Science for a better life; Stand vom 26.04.17

Fusion gefährdet nichtkommerzielle Landwirtschaft

Durch die geplante Übernahme des US-Konzerns Monsanto durch Bayer sowie der Fusion von Dow-Dupont und ChemChina-Syngenta besteht die Gefahr, dass in Zukunft drei Megakonzerne fast zwei Drittel des weltweiten Saatgut- und Agrarchemikalienmarktes kontrollieren werden. Dadurch werden sie vor allem auch auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Ernährung von Milliarden Menschen großen Einfluss haben. Im Globalen Süden vermehren bäuerliche Betriebe ihr Saatgut meist selbst, sie tauschen es untereinander aus und treiben somit die Weiterentwicklung von Saatgut selbstständig voran. Das Saatgut ist dadurch lokal angepasst, bezahlbar und erhält die Artenvielfalt. Durch die Fusion und die damit einhergehende Marktmacht verkleinert sich der Raum für nichtkommerzielle Alternativen, Saatgutzüchtungen werden ausschließlich an den Interessen der Konzerne orientiert. Saatgutpreise steigen, Bauern werden abhängig von den Düngemitteln und Pestiziden, Wasserquellen und Böden werden verseucht. Arndt von Massenbach, Geschäftsführer von Inkota, betont eindringlich: „Die kleinbäuerliche Landwirtschaft ernährt mehr Menschen als alle Lebensmittelkonzerne zusammen. Es müssen dringend politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Beitrag von Kleinbauern zur Welternährung anerkennen und deren Zugang zu Land und natürlichen Ressourcen sicherstellen“. 10) www.epo.de: Bayer-Monsanto setzt bäuerliche Landwirtschaft unter Druck; Artikel vom 25.04.17

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Chiara Laut

Drei Jahre ist mein Abitur jetzt her - was ich genau machen möchte, weiß ich immer noch nicht, die Orientierungsphase läuft weiter. Was ich sicher weiß, ist, dass ich mich für Menschenrechte und deren Aufklärung einsetzen will - und hoffe, dass Earthlink mir dafür eine Möglichkeit bietet.

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