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Frauen leiden besonders unter dem Terror des sog. IS im Irak

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Schon früh müssen sich junge Frauen verschleiern  Bild: ©  Riccardo Romano [CC BY-NC-ND 2.0]  - Flickr

Bild: © Riccardo Romano [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Frauen leiden besonders unter dem Terror des sog. IS im Irak

Der Irak befindet sich nun – 14 Jahre nach der US-Intervention – schon seit mehr als einem Jahrzehnt im Krieg. Dieser wird zunehmend durch die Beteiligung der Terrororganisation des so genannten IS verschärft.  1) Bustle: Being a Women in Iraq is getting increasingly difficult as Violence & ISIS become the Norm; Artikel vom 20.08.15 Wenngleich die stattfindende Gewalt jeden betrifft, so leiden Frauen doch unter anderen Bedingungen als Männer. Sie sind insbesondere sexualisierter Gewalt und religiös motivierten Zwangsmaßnahmen durch die Terrororganisation ausgesetzt.

In IS-besetztem Gebiet ist Frauen beispielsweise eine doppelte Verschleierung sowie das Verhüllen des Gesichtes und das Tragen von Handschuhen vorgeschrieben. Zudem sind nur lose, schwarze Kleider erlaubt, um die körperliche Figur der Frauen zu verbergen. Ohne diese Vorschrift würden die meisten nur einen Hidschab tragen, also ein Kopftuch, welches jedoch das Gesicht unbedeckt lässt. 2) Bustle: Being a Women in Iraq is getting increasingly difficult as Violence & ISIS become the Norm; Artikel vom 20.08.15 Bei Verstößen gegen diese Ordnung werden harte Strafen verhängt. Berichten zu Folge werden Frauen und Mädchen etwa mit einem Stock auf den Kopf geschlagen, wenn sie nicht die vorgeschriebene Verschleierung einhalten. Davon sind auch junge Mädchen betroffen, denn auch diese werden vom IS dazu verpflichtet, ihren Körper vollständig zu verschleiern. 3) The Guardian: Double-layered veils and despair…Women describe life under Isis; Artikel vom 17.02.15

Irakische Frauen bekommen außerdem keinen Reisepass und dürfen das Land nicht ohne Genehmigung eines männlichen Verwandten verlassen. Selbst das Verlassen des Hauses ohne einen männlichen Begleiter ist in IS-Gebiet problematisch. Denn Frauen sind dazu angehalten, sich hinter verschlossenen Türen aufzuhalten und nur in dringenden Ausnahmefällen auf die Straße zu gehen. 4) Bustle: Being a Women in Iraq is getting increasingly difficult as Violence & ISIS become the Norm; Artikel vom 20.08.15 Das schließt in den meisten Fällen auch eine Erwerbstätigkeit aus, so dass nur etwa 13 Prozent aller irakischen Frauen einem Beruf nachgehen.

Frauen und Mädchen besitzen zudem häufig keinen gesicherten Zugang zum Gesundheitssystem. So weigern sich viele männliche Ärzte, Frauen oder Mädchen zu behandeln, aus Angst vom IS bestraft zu werden, . 5) Human Rights Watch: Iraq: Women Suffer Under ISIS; Artikel vom 05.04.16 Und selbst wenn eine Behandlung stattfindet, so darf kein körperlicher Kontakt zu der Patientin hergestellt werden und auch die Verschleierung muss während der Therapie aufrecht erhalten werden.

Doch neben diesen eher formellen Einschränkungen werden Frauen im Irak seit dem Erstarken des IS auch zunehmend körperlich bedroht. Besonders betroffen ist dabei die religiöse Minderheit der Jesiden im Land. Deren Religion basiert vor allem auf mündlichen Überlieferungen, ohne niedergeschriebener, heiliger Schrift. Zwar handelt es sich um eine monotheistische Religion, da jedoch mehrere Heilige im Zentrum des Glaubens stehen, wird diese vom IS als polytheistisch erachtet und verabscheut. 6) The New York Times: ISIS Enshrines a Theology of Rape; Artikel vom 13.08.15

Die systematische Ausübung von Gewalt durch den IS gegen jesidische Frauen im Irak begann etwa im Jahr 2014, als IS-Kämpfer einen Teil des Nordiraks rund um den Mount Sinjar einnahmen. Ein Gebiet, welches hauptsächlich von Jesiden bewohnt wird. Die dort lebenden Frauen und Mädchen wurden zunächst von ihren Männern und Familien getrennt und anschließend nach Alter und Familienstatus separiert. Man transportierte sie dann zu Sammellagern, wo die Frauen fotografiert und mit einer Nummer versehen wurden, um sie anschließend als Sklavinnen „vermarkten“ zu können.  Dabei wurde die Versklavung jesidischer Frauen – meist zu sexuellen Zwecken – vor der Besetzung entsprechender Gebiete dezidiert geplant und sogar ein ganzes bürokratisches System zu diesem Zweck aufgebaut. 7) The New York Times: ISIS Enshrines a Theology of Rape; Artikel vom 13.08.15

Die versklavten Frauen werden dann von ihren „Herren“, wobei es sich meist um Kämpfer des so genannten IS handelt, oft mehrfach missbraucht und regelmäßig misshandelt. Nur wenigen gelingt die Flucht. Durch die oft Jahre  andauernde Gefangenschaft als Sklavinnen, werden die Frauen und Mädchen gänzlich von der Außenwelt, ihren Freunden und der Familie abgeschnitten.  Sie nehmen damit nicht mehr am öffentlichen Leben teil und werden auch vom Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen abgeschnitten. 8) Human Rights Watch: Iraq: Women Suffer Under ISIS; Artikel vom 05.04.16

Viele der misshandelten Frauen leiden stark unter dem psychischen Druck ihrer Situation und dem Leid, das ihnen täglich zugefügt wird. Sie sind damit jedoch fast immer allein, erhalten keine psychologische Hilfe und verfallen daher häufig in Depressionen oder haben Selbstmordgedanken. 9) Human Rights Watch: Iraq: Women Suffer Under ISIS; Artikel vom 05.04.16

In Bezug auf die Verbrechen des IS an jesidischen Frauen wurde bereits im Mai 2015 erstmals der Begriff des Genozids im UNHCR diskutiert. Gemäß der Definition der „Genocide Convention“ umfasst dieser den Versuch, eine ethnische, religiöse oder nationale Gruppe teilweise oder gänzlich zu vernichten. Solange der Irak jedoch nicht dem Internationalen Strafgerichtshof beigetreten ist, finden diesbezüglich keine Ermittlungen statt. 10) Human Rights Watch: Iraq: Women Suffer Under ISIS; Artikel vom 05.04.16 Und so scheint es fast, als bliebe das Leid dieser Frauen ungesühnt. Ein Leid, an dem die internationale Gemeinschaft mit Blick auf die Irakintervention 2003 durchaus nicht als unbeteiligt gelten kann.

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Verena / earthlink

Ich studiere Politik- und Verwaltungswissenschaften im Master und bin nun für 6 Wochen Praktikantin bei Earthlink. Ich freue mich besonders mich in dieser Zeit intensiv mit aktuellen entwicklungspolitischen Themen zu beschäftigen und mich hierfür sozial zu engagieren.

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