Seiten
Kategorien

Irak: Gemeinsam gegen den IS – trügt der Schein?

-

 Symbolbild |  Bild: ©  Kurdishstruggle [CC BY 2.0]  - Flickr

Symbolbild | Bild: © Kurdishstruggle [CC BY 2.0] - Flickr

Irak: Gemeinsam gegen den IS – trügt der Schein?

Bei der Offensive auf Mossul kämpfen Kurden, ausgebildet von der deutschen Bundeswehr und mit Waffen aus Deutschland,  und schiitische Milizen gemeinsam gegen den sogenannten Islamischen Staat. Im nordirakischen Tuz Khurmato sieht die Lage deutlich anders aus: Kurden, Turkmenen und Araber lebten einst friedlich und respektvoll miteinander,  seit über einem Jahr kommt es aber immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der kurdischen Peschmerga und turkmenischen Kämpfern. Anders als den Ereignissen in Mossul werden den Menschenrechtsverletzungen in Tuz Khurmato keine Aufmerksamkeit zuteil. 1) Amnesty International: Krieg im Krieg; Artikel von Februar 2017 2) Mitteldeutscher Rundfunk: So ist die Bundeswehr am Kampf um Mossul beteiligt; nicht mehr verfügbar

Die Gefechte zwischen der kurdischen Peschmerga und den turkmenischen Kämpfern, die sich dem schiitischen Milizenverband Hashd al-Shaabi anschlossen (Volksmobilisierung), begannen in Tuz Khurmato im November 2015. Letztere Einheit wird als wichtigste Kampfgruppe gegen den IS gesehen und vom irakischen Staat finanziert und gesteuert. Die Kurden verfeindeten sich allerdings mit diesem Verband. In diesem Zusammenhang wurden 16 Menschen auf den Straßen erschossen, es kommt zu gegenseitigen Entführungen, Verwandte der Opfer werden durch Folter um Lösegeld erpresst und hunderte Zivilisten flohen aus Angst, zwischen die Fronten zu geraten. 3) The Economist: The caliphate strikes back; Artikel vom 23.5.15 4) Amnesty International: Krieg im Krieg; Artikel von Februar 2017

Der Auslöser der Kämpfe ist umstritten, eindeutig ist aber, dass die 60.000 Einwohner der Stadt zunehmend getrennt leben. Eine Mauer teilt die Gebiete, in denen überwiegend Kurden leben von denen von Turkmenen besiedelten. Viele sunnitische Araber verließen die Stadt und die, die es noch nicht taten, trauen sich abends aus Angst, entführt zu werden, nicht mehr auf die Straße. Man befürchtet, dass sich diese Geschehnisse bald auf das gesamte Land ausweiten werden. Tuz Khurmato ist wie viele andere Gemeinden im Norden ein umstrittenes Gebiet, auf das sowohl die kurdische Regionalverwaltung in Erbil als auch die Zentralregierung in Bagdad Ansprüche erheben. Darüber sollte in einem Referendum entschieden werden – der Komflikt mit dem IS unterbrach allerdings dieses Vorhaben. Damals rückten die Peschmerga in Gebiete ein, die die irakische Armee vor der Flucht vor den Dschihadisten geräumt hatten, was die Schiitenmilizen nun unbedingt rückgängig machen wollen. Tuz Khurmatu sei eine turkmenische Stadt.

Nur drei Kilometer entfernt verläuft die Front, an der sich die Dschihadisten noch halten konnten. Unter anderem, weil irakische Sondereinheiten, die kurdische Peschmerga und die internationale Allianz gegen den IS sich derzeit auf Mossul konzentrieren. Obwohl sie dort noch gegen den gemeinsamen Feind kämpfen, verlief das Nebeneinander früher zwischen Kurden und Turkmenen ruhiger. Der Rechtsberater des irakischen Präsidenten beklagt, wie sehr sich die Landkarte der Turkmenen verändert habe und dass eine „Einheit der Volksgruppe“ nicht mehr gegeben sei. Noch überdeckt der Kampf gegen den IS in vielen Fällen die Differenzen. 5) Amnesty International: Krieg im Krieg; Artikel von Februar 2017

Im Kampf gegen den IS werden kurdische Kämpfer der Volksmobilisierungseinheit vom irakischen Staat unterstützt, die kurdischen Peschmerga von der deutschen Bundeswehr. 6) Mitteldeutscher Rundfunk: So ist die Bundeswehr am Kampf um Mossul beteiligt; nicht mehr verfügbar 7) The Economist: The caliphate strikes back; Artikel vom 23.5.15 Die Kämpfer werden durch die Unterstützung ausgebildet und mit Waffen versorgt – deutschen Waffen. Was also in erster Linie gegen den IS wirksam scheint kann auf Dauer dazu führen, dass das Land sich von innen heraus selbst zerstört. Die Verschiebung der Grenzen werden nach den Gefechten mit dem IS die Konflikte zwischen Kurden und Turkmenen – Sunniten und Schiiten – weiter anfeuern. Durch bessere Ausbildung der Kämpfer und durch die Waffen nehmen die Auseinandersetzungen größere Ausmaße an. Deutschland, das Waffen in die umstrittenen Regionen liefert, sollte sich also der Verantwortung und der Langzeitfolgen bewusst sein.

Beitrag teilen und unterstützen! (Bisher 2 Mal geteilt)

Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Zoë / earthlink

Ich bin Zoë und habe dieses Jahr die Schule mit dem Abitur beendet. Vor meinem Studium möchte ich mich hier sozial engagieren und mehr über entwicklungspolitische Hintergründe erfahren. Als Bundesfreiwillige freue ich mich earthlink für 6 Monate begleiten zu dürfen!

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben



Weitere interessante Infos:


 Kinder im Flüchtlingslager Aida in Bethlehem im Westjordanland | Bild (Ausschnitt): © Michele Benericetti [CC BY-ND 2.0] - flickr

Palästinensische Flüchtlinge warten seit 70 Jahren auf Rückkehr

Anfang November hat der Europäische Gerichtshof beschlossen, dass Produkte, die aus israelischen Siedlungen im Westjordanland stammen, nicht als „Made in Israel“ bezeichnet werden dürfen. Denn die Westbank ist seit 1976 von Israel besetzt, völkerrechtlich aber ...
 2016 kam es in der Folge der Exekution eines schiitischen Geistlichen durch Saudi-Arabien zu Protesten vor der saudischen Botschaft in Theran. Die Demonstranten stürmten die Botschaft und randalierten - daraufhin brach Saudi-Arabien seine diplomatischen Beziehungen zum Iran ab | Bild (Ausschnitt): © Erfan Koughari [CC BY 4.0] - Wikimedia Commons

Sunniten vs. Schiiten? – Rivalität zwischen Saudi-Arabien und Iran destabilisiert Nahen Osten

Saudi-Arabien und der Iran gelten als Erzfeinde, die um die Vorherrschaft im Nahen Osten kämpfen. Zu einem direkten Krieg zwischen den beiden Staaten ist es bisher zwar noch nicht gekommen, jedoch haben sich die Spannungen ...
 Kurdische YPG-Kämpfer | Bild (Ausschnitt): © Kurdishstruggle [CC BY 2.0] - flickr

Türkische Intervention in Syrien schafft neue Fluchtursachen

Am vergangenen Montag begann US-Präsident Trump, seine Ankündigung, die amerikanischen Streitkräfte aus dem Norden Syriens abzuziehen, in die Tat umzusetzen. Der Abzug der Truppen aus dem nordsyrischen Grenzgebiet zur Türkei, von dem unter anderem Trumps ...
Churais Ölfeld und Abkaik Raffinerie in Saudi-Arabien Churais Ölfeld und Abkaik Raffinerie in Saudi-Arabien | Bild (Ausschnitt): © VAO [public domain] - Wikimedia Commons

Cui bono? Anschläge auf saudische Ölanlagen erhöhen Kriegsrisiko und werfen mehr Fragen als Antworten auf

Noch bevor am vorletzten Samstag, einem 14. September, über dem Persischen Golf die Sonne aufging, kam es im Osten von Saudi-Arabien zu Drohnenangriffen auf die laut verschiedenen Medien größte Erdölraffinerie der Welt in Abkaik und ...
 Der Fluss Shatt Al Arab ist durch Klimawandel und Verschmutzung bedroht | Bild (Ausschnitt): © David Stanley [CC BY 2.0] - flickr

Massive Verschmutzung in irakischer Stadt Basra macht Bewohner krank

Einst war die irakische Stadt Basra als "Venedig des Nahen Ostens" bekannt. Die Herrscher des osmanischen Reichs hatten zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert Kanäle in der Provinzhauptstadt errichtet. Basra mit seinen Wasserstraßen gehört zu ...
Die durch Entwicklungshilfe subventionierte umweltschädliche Infrastruktur für fossile Brennstoffe untergräbt die Fortschritte, die beim Klimawandel und bei der internationalen Entwicklung erzielt wurden. Die durch Entwicklungshilfe subventionierte umweltschädliche Infrastruktur für fossile Brennstoffe untergräbt die Fortschritte, die beim Klimawandel und bei der internationalen Entwicklung erzielt wurden. | Bild (Ausschnitt): © Pasztilla aka Attila Terbócs [CC BY-SA 4.0] - Wikimedia Commons

Britische Regierung begünstigt Klimawandel durch Entwicklungshilfe für die Förderung fossiler Brennstoffe

Eine aktuelle Studie der Entwicklungsorganisation CAFOD (Catholic Agency for Overseas Development) belegt, dass das Vereinigte Königreich zwischen 2010 und 2017 den Abbau von fossilen Rohstoffen im Ausland massiv gefördert hat. Durch eine Mischung aus Entwicklungshilfe, ...
Ausführlicher Hinweis zum Datenschutz
[contentblock id=datenschutz]

Diesen Hinweis schließen

Jetzt den earthlink-Newsletter abonnieren:



Das Formular
wird geladen -
bitte einen Moment ...
PGlmcmFtZSBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYm9yZGVyPSIwIiBzdHlsZT0iYm9yZGVyOm5vbmU7IiBjbGFzcz0iYXV0b0hlaWdodCIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LmVhcnRobGluay5kZS8/d3BtbG1ldGhvZD1vZmZzaXRlJmlmcmFtZT0xJmxpc3Q9MSIgaGVpZ2h0PSI0MDAiPg0KCTxwPkRhcyBGb3JtdWxhciBsw6RkIC0gYml0dGUgZWluZW4gTW9tZW50IHdhcnRlbiAuLi48L3A+DQo8L2lmcmFtZT4=
Ihre Daten behalten wir für uns!
Unsere Datenschutzerklärung
Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Liebe Leserinnen und Leser:

Verzeihen Sie bitte die Störung. Heute bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Unsere Kampagne "Fluchtgrund" erfährt großen Zuspruch und viel Lob für die umfangreichen und fundierten Informationen, die wir auf dieser Website bieten. Die Informationen werden genutzt von Interessierten, die sich objektiv über die Gründe informieren möchten, die Menschen dazu bringen ihre angestammte Heimat zu verlassen, von Schülerinnen und Schülern um Referate vorzubereiten, aber auch von Journalistinnen und Journalisten auf der Suche nach detaillierten Hintergrundinformationen. Aber nur ein Bruchteil der Nutzer spendet.

Trotzdem ein großer Teil der Arbeit durch Ehrenamtliche erbracht wird, kostet die Kampagne auch Geld. Hier sind wir auf Ihre Spende angewiesen! Wenn alle, die dies lesen, einen kleinen Beitrag leisten, hätten wir in einem Monat das Geld zusammen, das wir für ein Jahr benötigen. Schon der Preis einer Tasse Kaffee würde genügen. Es ist leicht, diese Nachricht nicht zu beachten und die meisten werden das wohl tun.

Wenn Sie diese Website nützlich finden, nehmen Sie sich jetzt bitte eine Minute Zeit und geben Sie mit Ihrer Spende etwas zurück. Herzlichen Dank!

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Sie können uns Ihre Spende online per PayPal zukommen lassen. Wenn Sie noch kein PayPal-Konto haben, können Sie hier auch mit Kreditkarte spenden.

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft!

Ihre Spende können Sie gerne auf unser Spendenkonto überweisen oder einzahlen:

[contentblock id=spendenkonto]

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?