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Virtuelles Wasser – wie der Westen Dritte-Welt-Staaten austrocknet

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Ausgetrocknetes Flussbett  Bild: ©  Bernhard Huber [CC BY-NC-ND 2.0]  - flickr.de

Bild: © Bernhard Huber [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr.de

Virtuelles Wasser – wie der Westen Dritte-Welt-Staaten austrocknet

Mit einer wachsenden Weltbevölkerung und einem steigenden Konsum in Industrienationen erhöht sich auch die Nachfrage nach Wasser weltweit. Aufgrund seiner ungleichen Verteilung kann die Wasserproblematik zu schwerwiegenden Konflikten führen. In vielen Regionen gibt es keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Flüsse und Grundwasser werden durch die Abwässer großer Fabriken und das Fehlen sanitärer Anlagen verschmutzt. Landwirtschaft und Industrie konkurrieren um Wasser, oft zum Leiden der Bevölkerung. 1) Deutsche UNESCO-Kommission: UNESCO ruft zu einer integrativen Wasserpolitik auf; Stand vom 03.2015 (nicht mehr aufrufbar)

Beinahe hinter jedem Produkt, das wir im Alltag nutzen, steckt mehr Wasser als man sehen kann. Dieses sogenannte virtuelle Wasser bezeichnet die zur Herstellung eines Produktes benötigte Menge an Wasser. Darunter fallen der Anbau der Grundstoffe, die Weiterverarbeitung dieser und die Transportwege. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Gegenstand wie ein T-Shirt oder um eine Tasse Kaffee handelt. Es beinhaltet nicht nur das direkt verbrauchte Wasser, sondern auch das beim Herstellungsvorgang verschmutzte. 2) BR: Die versteckte Wasserverschwendung; nicht mehr verfügbar

In Deutschland herrscht ein durchschnittlicher Wasserverbrauch von 120 Liter pro Tag. Der Verbrauch des virtuellen Wassers liegt mit etwa 4.000 Litern am Tag deutlich höher, da der Verbrauch jedes Produkts, egal ob industriell oder landwirtschaftlich, mit einberechnet wird. In der Landwirtschaft wird der größte Anteil an Trinkwasser weltweit benötigt. Dabei ist die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch mit etwa 16.000 Liter benötigten Wassers besonders drastisch. Hier wird sowohl das Trinkwasser der Tiere einberechnet, als auch das benötigte Wasser für die Herstellung der Futtermittel. Auch Baumwolle hat einen hohen Wasserverbrauch, für die Herstellung eines T-Shirts werden etwa 2.700 Liter Wasser benötigt. Der Verbrauch kann jedoch auch deutlich höher liegen, wenn der Färbungsprozess, die Herstellung der Farben, oder das Waschen der Baumwolle mit einberechnet werden. 3) Planet Wissen: Das „virtuelle Wasser“ oder „verstecktes Wasser“; Stand vom 26.09.2016

Zu den Gütern mit dem höchsten Verbrauch von virtuellem Wasser zählen beliebte Konsumgüter in westlichen Industrieländern wie zum Beispiel Kaffee, Kakao, Baumwolle, Schweinefleisch, Sojabohnen, Rindfleisch oder Nüsse. Einen hohen Verbrauch an virtuellem Wasser hat Deutschland  in den benachbarten Industrienationen, zu einem besonders großen Teil aber auch in Brasilien, der Elfenbeinküste, Indonesien, Ghana oder Indien.

Brasilien zählt zwar zu den Ländern, die einen großen Wasservorrat haben, jedoch haben sie gewaltig mit der Wasserverschmutzung und ihren Folgen zu kämpfen. In Indien wird in großem Umfang Baumwolle angebaut, mit verheerenden Auswirkungen auf die Flusseinzugsgebiete und die Umwelt. Die daraus entstehende Wasserknappheit führt, aufgrund der stark wachsenden Bevölkerung Indiens, zu sozialen Problemen. In vielen Ländern ist die illegale Wasserentnahme die Folge, die nur selten von der Regierung nachvollzogen und bestraft werden kann. 4) Lexikon der Nachhaltigkeit: Wasser-Fußabdruck; Stand vom 14.10.2015

Über zwei Drittel des virtuellen Wassers importieren wir aus anderen Ländern. Oft haben diese Produzenten mit Wasserarmut zu kämpfen, haben jedoch die idealen klimatischen Bedingungen für die Produktion vieler Waren. In Entwicklungsländern wird sehr viel Wasser für die Produktion von Gütern benötigt, die in reiche Industrienationen exportiert werden. Dieses Wasser fehlt dann in den heimischen Ländern für die Landwirtschaft und die Nahrungsproduktion. 5) Planet Wissen: Das „virtuelle Wasser“ oder „verstecktes Wasser“; Stand vom 26.09.2016

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, unseren Verbrauch von virtuellem Wasser einzuschränken. Eine Möglichkeit ist der Kauf von regionalen und saisonalen Produkten. Es ist auch wichtig, Herkunftsländer zu vermeiden, in welchen Wasserknappheit herrscht und die mit ineffizienten Bewässerungsmethoden arbeiten. Ein anderer wichtiger Schritt ist die Reduzierung des Fleischkonsums, da der größte Teil des Fleisches in Deutschland importiert wird und einen hohen virtuellen Wasserverbrauch in anderen Ländern hinterlässt. 6) BR: Die versteckte Wasserverschwendung; nicht mehr verfügbar

Der hohe Wasserverbrauch für Industrie- und landwirtschaftliche Produkte hat in Entwicklungsländern schlimme Folgen für die Bevölkerung. Sehr oft wird das Wasser für andere Zwecke genutzt und für die Bevölkerung bleibt wenig übrig. Mangelernährung und Krankheiten sind oft die Folge. Viele Menschen entscheiden sich aus dieser Perspektivlosigkeit heraus für die Flucht in andere Länder. 7)wassermangel.eu: Wassermangel betrifft große Teile der Weltbevölkerung; Stand vom 08.11.2016

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Lotta / earthlink

Ich studiere Politik und Gesellschaft an der KU in Eichstätt. Ich bin sehr interessiert an Umweltpolitik, dem Nahen Osten und internationalen Zusammenhängen von Konflikten.

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