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Subsahara-Afrika: Milliardeneinbußen durch Nachernteverluste

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 Karottenernte in Westafrika |  Bild: © Chad Skeers [CC BY 2.0]  - Flickr

Karottenernte in Westafrika | Bild: © Chad Skeers [CC BY 2.0] - Flickr

Subsahara-Afrika: Milliardeneinbußen durch Nachernteverluste

Einer der wichtigsten  Fluchtgründe ist noch immer Hunger. Weltweit ist der Bevölkerungsanteil mit Unterernährung zwar gesunken, in subsaharischen Staaten waren im Zeitraum von 2014-2016 aber noch immer über 23 Prozent der Menschen unterernährt.  1) Süddeutsche Zeitung: Kommt der Hunger zurück; Printausgabe, vom 21.11.2016, Thema des Tages Seite 2

Eine in den Medien kaum beachtete Problematik sind dabei die enormen Nachernteverluste  in Entwicklungsländern. Gemeint sind alle Verluste, die nach der Ernte zum Beispiel durch falsche Lagerung oder den Transport entstehen. Besonders bei Obst und Gemüse verlieren die Bauern teilweise über 60 Prozent  ihrer Ernten. Momentan importieren die  Staaten südlich der Sahara Getreide im Wert von etwa 14 Milliarden US-Dollar 2) Actualitix: Afrika – Getreide – Import ($); aktualisiert am 10.01.2016  rein rechnerisch bräuchten sie  jedoch kein Getreide zu importieren, wenn es gelingen würde, die Nachernteverluste zu verringern. 3) E+Z: Verlust und Verschwendung; veröffentlicht am 21.03.2013

Die Süßkartoffel zum Beispiel  ist eine der wichtigsten Nahrungspflanzen der Welt.  Sie hat allerdings einen hohen Wassergehalt und verdirbt daher leichter als getrocknetes Getreide. In den Ländern südlich der Sahara  gehen bei ihrer Lagerung bis zu 79 Prozent der Ernte verloren. Nach wissenschaftlichen Berechnungen produziert die Landwirtschaft weltweit 4.600 Kilokalorien pro Tag und Mensch. Davon erreichen 1.400 Kalorien niemals einen Magen. „In schlecht entwickelten Ländern verlieren wir Essen durch falsche oder fehlende Lagerung und Verarbeitung“, so Meißner.  4) WWF: Vom Acker in den Abfall: Ein Drittel der Lebensmittel landet im Müll; veröffentlicht am 21.01.2011  

Fortschritte im Bereich hochwertiger Exportprodukte  liegen im Trend. Auch europäische und amerikanische Verarbeitungsunternehmen kaufen immer öfter direkt bei afrikanischen Bauern ein und integrieren diese in den Markt. Sie stellen diesen Bauern dann Maschinen und Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Zudem wird für eine ausreichende Kühlung der Lebensmittel direkt nach der Ernte gesorgt.  Bei Grundnahrungsmitteln wie Mais, Hirse und Cassava geschieht dies hingegen kaum und vor allem die Kleinbauern werden häufig nicht berücksichtigt.  5) nzz: Die Rolle von Supermarktketten bei der Marktintegration von Kleinbauern; veröffentlicht am 20.03.2012   6) E+Z: Verlust und Verschwendung; veröffentlicht am 21.03.2013

In Ghana beispielsweise sind allerdings mehr als 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe kleiner als drei Hektar. Diese Kleinbetriebe erzeugen knapp 80 Prozent der gesamten Agrarprodukte, haben jedoch kaum Zugang zu Innovationen und technischen Möglichkeiten. Folglich ist ihre Produktivität gering, denn die Nachernteverluste sind hoch und die Vermarktungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Sie können in der Regel nur auf inländischen Märkten oder über Zwischenhändler verkaufen. Letzteres führt dazu, dass  bei langen Transporten weitere Waren  verderben. Insbesondere, weil die Verkehrsinfrastruktur in  Entwicklungs- und Schwellenländern kaum ausgebaut ist.  Qualifizierte Fachkräfte, wie Mechaniker und  Elektriker sind  für  Kleinbauern ebenfalls schwer zu finden. Sie arbeiten häufig nur in den größeren  Betrieben, die von  den ausländischen  Unternehmen betrieben werden, weil sie dort besser bezahlt werden.  7)GIZ: Förderung der marktorientierten Landwirtschaft; Stand vom 24.11.2016

Das größte Problem ist aber die fehlende Kühlungsmöglichkeit der meisten Bauern,  denn gerade bei den klimatischen Bedingungen  und der extremen  Sonneneinstrahlung  in den südlichen Ländern  verderben die Lebensmittel ohne Kühlung sehr schnell. Mangofrüchte beispielsweise innerhalb eines Tages. 8) ZeitOnline: Zu viel Nahrung verottet nach der Ernte; veröffentlicht am 08.03.2011

Gerade die  Kleinbauern brauchen bessere Produktionsbedingungen, wie den Zugang zu Saatgut und eine direkte Einbindung in Absatzmärkte. Die meisten können es sich jedoch kaum leisten, sich dem Standardisierungs-Druck  der Großkonzerne zu unterwerfen.  Dazu müssten sie langfristig  in bestimmtes Saatgut und bestimmte Pflanzenschutzmittel  investieren und sollten sich die Auflagen von Regierungen oder Behörden ändern, müssten sie erneut investieren. Davon profitiert in erster Linie das US-Amerikanische Unternehmen Monsanto, welches der weltweit führende Anbieter für diese Produkte ist. 9) Wikipedia: Monsanto; aktualisiert am 21.11.2016

Vor allem ist aber auch das  Wissen über richtige Düngung  und moderne Methoden Techniken und Vermarkungsmöglichkeiten, wichtig. Diese Kenntnisse sind  in den Industrienationen schon lange vorhanden, kommen aber gerade bei den Kleinbauern nicht an. 10) Deutschlandradio Kultur: Die fehlgeleitete Welternährung; veröffentlicht am 20.10.2016

„So erschreckend es auch ist, so ermutigend ist es in gewisser Weise auch, dass derzeit aufgrund der Gleichgültigkeit der Reichen und der unabsichtlichen Nachernteverluste in Entwicklungsländern Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln verderben. Es bedeutet schließlich, dass es vergleichsweise einfach sein dürfte, sehr viel mehr Nahrungsmittel zugänglich zu machen.“ 11) ZeitOnline: Zu viel Nahrung verottet nach der Ernte; veröffentlicht am 08.03.2011

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Marie / earthlink

Ich studiere im vierten Semester Geographie in Bochum. Momentan mache ich für zwei Monate ein Praktikum bei earthlink, weil ich mich sehr für entwicklungspolitische Zusammenhänge interessiere und dabei mitwirken möchte, Menschen über die Probleme zu informieren.

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