Seiten
Kategorien

Guaraní: Biopiraterie treibt indigene Gruppen in die Armut

-

Coca Cola Life  Bild: © Mike Mozart [CC BY 2.0]  - Flickr

Bild: © Mike Mozart [CC BY 2.0] - Flickr

Guaraní: Biopiraterie treibt indigene Gruppen in die Armut

Im Grenzland von Paraguay und Brasilien baut die indigene Gruppe der Guaraní seit Jahrtausenden die Pflanze Stevia an. 1) Misereor Blog: Stevia -Den Beitrag der Guarani endlich anerkennen – veröffentlicht am 19.11.2015 Die Guaraní nennen sie „Ka’a he’e“, also „süßes Kraut“, da die Pflanze 350-mal mehr süßt als herkömmlicher Industriezucker. Inzwischen hat sich das indigene Wissen verbreitet und der aus Stevia gewonnene Süßstoff Steviolglykoside wird weltweit genutzt. 2) Swiss Info: Stevia: Wundermittel oder Albtraum der Guarani? – veröffentlicht am 30.05.2016

Das liegt vor allem an seinen positiven Merkmalen: Steviolglykoside besitzen antioxidative und bakterizide Eigenschaften und sind mächtige Verbündete im Kampf gegen Übergewicht und Diabetes. 3) Swiss Info: Stevia: Wundermittel oder Albtraum der Guarani? – veröffentlicht am 30.05.2016 Die uralte Pflanze ist kalorienfrei und hat im Gegensatz zu Zucker keine negativen gesundheitlichen Folgen und steht als einer der wenigen synthetischen Süßstoffe nicht im Verdacht, krebserregend zu sein. 4) Misereor Blog: Stevia -Den Beitrag der Guarani endlich anerkennen – veröffentlicht am 19.11.2015

In unserer zuckersüchtigen Welt hat eine gesunde Alternative großes Marktpotential: Inzwischen findet man Steviolglykoside beispielsweise in Fertigprodukten, Schokolade, Feingebäck oder auch Softdrinks. Rund acht bis elf Milliarden US-Dollar sollen laut der Beratungsfirma Industry ARC im Jahr 2015 mit dem Süßstoff erwirtschaftet worden sein. 5) Swiss Info: Stevia: Wundermittel oder Albtraum der Guarani? – veröffentlicht am 30.05.2016 Doch davon kommt bei den Guaraní nichts an. Konzerne wie Coca-Cola, Cargill, Nestlé oder Pepsi beteiligen sie trotz der Nutzung des indigenen Wissens nicht an der Profitverteilung. 6) Misereor Blog: Stevia -Den Beitrag der Guarani endlich anerkennen – veröffentlicht am 19.11.2015

Ein klassischer Fall von Biopiraterie. Aber was ist das überhaupt? Als Biopiraterie bezeichnet man die Aneignung von Wissen über Pflanzen, Tiere und Bestandteilen von Genen sowie über die jeweilige Nutzung – das sind sogenannte „geistige Eigentumsrechte“. Das erworbene Wissen wird von Monopolisten marktwirtschaftlich genutzt. Häufig werden im Zuge von Biopiraterie indigene Gruppen von Unternehmen wie Bayer oder Monsanto ausgebeutet. Die lokalen Gemeinschaften profitieren selten von der weltweiten Vermarktung ihres traditionellen Wissens. 7) Reset: Biopiraterie – Die Plünderung von Natur und Wissen – Stand vom 25.11.2016

So geht es auch den Guaraní. Die Anbaugebiete für die industrielle Nutzung wurden nach China, Malaysia, Indonesien, Vietnam, Mexiko und Kolumbien verlegt. Paraguay kann in der Stevia-Produktion mit größeren Produktionsländern nicht konkurrieren und ist deswegen überwiegend auf den Massenanbau von Sojabohnen und Futterpflanzen für die Tierhaltung umgestiegen. 8) Misereor Blog: Stevia -Den Beitrag der Guarani endlich anerkennen – veröffentlicht am 19.11.2015

2017 soll der Süßstoff Steviolglykoside 30 Prozent aller Süßungsmittel ausmachen. 9) Swiss Info: Stevia: Wundermittel oder Albtraum der Guarani? – veröffentlicht am 30.05.2016 Ohne die Guaraní wäre weder die Vermarktung noch die Weiterentwicklung Richtung synthetischer Herstellung möglich gewesen. Dafür verlangen sie Kompensationsleistungen: Und zwar nicht nur Geld, sondern in erster Linie Anerkennung für ihren Wissensbeitrag. 10) Misereor Blog: Stevia -Den Beitrag der Guarani endlich anerkennen – veröffentlicht am 19.11.2015 Eine Gewinnbeteiligung steht den Guaraní nach dem Nagoya-Protokoll der Vereinten Nationen theoretisch auch zu. Das Abkommen verlangt, dass „indigene Gemeinschaften etwas von den Vorteilen aus der Nutzung ihres traditionellen Wissens über genetische Ressourcen bekommen“. Allerdings ist das Abkommen im Falle der Guaraní nicht rechtskräftig, da es vom paraguyanischen Staat nicht unterzeichnet wurde. 11) Tageszeitung: Keine Kohle für die Guaraní – veröffentlicht am 19.11.2015

Ein am Mittwoch, den 16.11.2016, von Public Eye veröffentlichter Bericht zeigt die Reaktionen der betroffenen Unternehmen. Die Schweizer Firma Evolva erklärt sich zu einer Gewinnbeteiligung für einen „gerechten Vorteilsausgleich“ bereit. Aber ausgerechnet Coca-Cola als größter Nutzer von Steviolglykosiden verweigert eine Anerkennung des Problems – trotz ihrer Bewerbung der traditionellen Wirkungen der Stevia-Pflanze für ihr Produkt „Coca-Cola Life“. 12) Epo: Indigene fordern Schutz gegen Biopiraterie ein – veröffentlicht am 16.11.2016

Früher profitierten die Guaraní von ihrer Umwelt und der Nutzung von Pflanzen wie eben Stevia. Inzwischen leben viele Angehörige in Armut. Im Zuge des Massenanbaus von Sojabohnen oder Futterpflanzen wurden sie von ihren Äckern enteignet und aus Teilen ihres Landes verdrängt. 13) Misereor Blog: Stevia -Den Beitrag der Guarani endlich anerkennen – veröffentlicht am 19.11.2015 Das Leben der Guaraní ist heute von Verarmung, Diskriminierung und Vertreibung geprägt. 14) PublicEye: Guaraní gegen Großkonzerne – veröffentlicht am 16.11.2016 Das ist paradox, da auf ihrem Wissen ein Milliardengeschäft aufgebaut wurde. Von diesen Geldsummen kommt in den Grenzgebieten Paraguays und Brasiliens jedoch nichts an.

Beitrag teilen und unterstützen! (Bisher 7 Mal geteilt)

Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Elena / earthlink

Ich habe gerade meinen Bachelor in Ethnologie mit Nebenfach Rechtswissenschaften abgeschlossen. Mein Studium habe ich gewählt, weil mich völkerrechtliche Probleme in unserer globalen Welt interessieren. Ich freue mich, bei EarthLink die nächsten zwei Monate jede Menge über aktuelle Themen zu lernen.

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Ausführlicher Hinweis zum Datenschutz
[contentblock id=datenschutz]

Diesen Hinweis schließen

Jetzt den earthlink-Newsletter abonnieren:



Das Formular
wird geladen -
bitte einen Moment ...
PGlmcmFtZSBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYm9yZGVyPSIwIiBzdHlsZT0iYm9yZGVyOm5vbmU7IiBjbGFzcz0iYXV0b0hlaWdodCIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LmVhcnRobGluay5kZS8/d3BtbG1ldGhvZD1vZmZzaXRlJmlmcmFtZT0xJmxpc3Q9MSIgaGVpZ2h0PSI0MDAiPg0KCTxwPkRhcyBGb3JtdWxhciBsw6RkIC0gYml0dGUgZWluZW4gTW9tZW50IHdhcnRlbiAuLi48L3A+DQo8L2lmcmFtZT4=
Ihre Daten behalten wir für uns!
Unsere Datenschutzerklärung
Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Liebe Leserinnen und Leser:

Verzeihen Sie bitte die Störung. Heute bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Unsere Kampagne "Fluchtgrund" erfährt großen Zuspruch und viel Lob für die umfangreichen und fundierten Informationen, die wir auf dieser Website bieten. Die Informationen werden genutzt von Interessierten, die sich objektiv über die Gründe informieren möchten, die Menschen dazu bringen ihre angestammte Heimat zu verlassen, von Schülerinnen und Schülern um Referate vorzubereiten, aber auch von Journalistinnen und Journalisten auf der Suche nach detaillierten Hintergrundinformationen. Aber nur ein Bruchteil der Nutzer spendet.

Trotzdem ein großer Teil der Arbeit durch Ehrenamtliche erbracht wird, kostet die Kampagne auch Geld. Hier sind wir auf Ihre Spende angewiesen! Wenn alle, die dies lesen, einen kleinen Beitrag leisten, hätten wir in einem Monat das Geld zusammen, das wir für ein Jahr benötigen. Schon der Preis einer Tasse Kaffee würde genügen. Es ist leicht, diese Nachricht nicht zu beachten und die meisten werden das wohl tun.

Wenn Sie diese Website nützlich finden, nehmen Sie sich jetzt bitte eine Minute Zeit und geben Sie mit Ihrer Spende etwas zurück. Herzlichen Dank!

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Sie können uns Ihre Spende online per PayPal zukommen lassen. Wenn Sie noch kein PayPal-Konto haben, können Sie hier auch mit Kreditkarte spenden.

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft!

Ihre Spende können Sie gerne auf unser Spendenkonto überweisen oder einzahlen:

[contentblock id=spendenkonto]

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?