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Syrischer Bürgerkrieg: Die Türkei interveniert – eine weitere Eskalation des Konfliktes scheint unausweichlich

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 Symbolbild |  Bild: ©  Karl-Ludwig Poggemann [CC BY 2.0]  - Flickr

Symbolbild | Bild: © Karl-Ludwig Poggemann [CC BY 2.0] - Flickr

Syrischer Bürgerkrieg: Die Türkei interveniert – eine weitere Eskalation des Konfliktes scheint unausweichlich

Seit den frühen Morgenstunden ist es klar: Die Türkei ist mit Bodentruppen in Syrien einmarschiert. Sie ist damit das erste Land, das offiziell und großangelegt am Boden in den Krieg eingreift. Die Angriffe gelten laut Angaben aus Ankara Stellungen des sogenannten „Islamischen Staates“ in Dscharablus, einer der letzten verbliebenen Hochburgen des IS an der türkischen Grenze.1)Spiegel Online: Kampf gegen den IS: Türkei startet Militäroffensive in Nordsyrien; Artikel vom 24.08.2016 Nach Luftangriffen und Artillerieschlägen am Morgen sollen nun Panzer und Soldaten auf die syrische Grenzstadt vorrücken.2)Spiegel Online: Militäroffensive: Türkische Panzer überqueren syrische Grenze; Artikel vom 24.08.2016 Bereits am vergangenen Freitag hatte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu seine „Säuberung“ der Grenze von terroristischen Kräften angekündigt.3)Spiegel Online: Kampf gegen den IS: Türkei startet Militäroffensive in Nordsyrien; Artikel vom 24.08.2016 Die Intervention wird als Reaktion auf eine Reihe von Attentaten in der Türkei, wie dem Anschlag in Gaziantep auf eine Hochzeitsgesellschaft, sowie vermehrten Mörser- und Raketenbeschuss durch den IS auf türkische Ansiedlungen an der Grenze zu Syrien angesehen.4)Süddeutsche Zeitung: Türkei startet Offensive gegen IS im Norden Syriens; Artikel vom 24.08.2016

Damit wird dem unübersichtlichen Konflikt in Syrien eine weitere Kombattanten-Fraktion hinzugefügt. Kämpften bisher schon die syrische Armee, fundamentalistische, kurdische und wenige säkulare Rebellengruppen mit- und gegeneinander, die von russischer oder westlicher Seite Unterstützung finden, so ist mit der Türkei nun auch die größte Militärmacht der Region aktiv in den Konflikt eingetreten. Besorgniserregend daran sind nicht die verständlichen Pläne den IS-Terrorismus von türkischem Boden fernzuhalten, sondern vielmehr ihre sich gegen die kurdischen YPG richtenden Angriffe. Diese werden als syrische Ableger der in der Türkei und dem Westen als Terrororganisation eingeschätzten kurdischen Arbeiterpartei PKK angesehen. Sie sind jedoch auch die wichtigsten Verbündete der USA im Syrienkonflikt. Bereits in jüngerer Vergangenheit führten die Bombardierungen kurdischer Stellungen in Syrien zu Auseinandersetzungen zwischen Washington und Ankara, die sich nun verschärfen dürften. Als vornehmliches Ziel der Türkei dürfte neben dem Zurückdrängen des IS die Verhinderung eines 900 Kilometer langen, zusammenhängenden, kurdischen Gebietes an der türkischen Grenze angesehen werden.5)Neues Deutschland: Türkischer Angriff richtet sich gegen kurdisches Rojava; Artikel vom 24.08.2016

Die Aktion droht so nicht nur den innersyrischen Konflikt weiter zu verkomplizieren und in die Länge zu ziehen sowie die NATO-Partner USA und Türkei gegeneinander aufzubringen, sondern auch die Auseinandersetzung zwischen Türken und Kurden über die türkische Grenze hinaus eskalieren zu lassen. Hier bombardiert die türkische Armee bereits seit 2014 wieder PKK-Stellungen.6)Spiegel Online: Konflikt mit Kurden: Türkei droht neuer Bürgerkrieg; Artikel vom 14.10.2014 Sollte die Regierung in Ankara nun auch noch in Syrien einen offenen Krieg gegen die Kurden riskieren, droht der Konflikt im Länderdreieck Syrien, Türkei und Irak noch mehr anzuschwellen.

Vor allem für die sogenannte Flüchtlingskrise könnte der heutige Eintritt Ankaras in den Konflikt eine erneute Verschärfung bedeuten. Nicht nur drohen so die syrischen Kurdengebiete wieder in kriegerischen Auseinandersetzungen zu versinken, was weitere Menschen in die Flucht treiben würde, die grenznahen Kämpfe verschließen immer mehr die nördlichen Fluchtrouten in Richtung Türkei. Den flüchtenden Menschen bleibt nur die absurde Wahl in den Kriegsgebieten zu verbleiben oder noch gefährlichere Routen über das Mittelmeer oder durch die Gebiete des „Islamischen Staates“ einzuschlagen. Der heutige Eingriff der Türkei könnte das Ende der vermeintlichen „Staatlichkeit“ des IS besiegelt haben. Doch ist diese Aussicht es wert, dass über sie Verbündete zu Feinden werden, der Konflikt zwischen Türken und Kurden eskaliert und die flüchtenden Syrer in einer noch auswegloseren Lage zurückgelassen werden als zuvor?

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Über

Ich studiere Politik und Soziologie an der LMU München. Globale und gesellschaftliche Ungleichheiten sind die Hauptgründe für Kriminalität, Kriege und Flüchtlingsbewegungen. Ich bin Praktikant bei earthlink e.V., um die Menschen weiter über diese Zusammenhänge aufzuklären.

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