Seiten
Kategorien

Zentralafrikanische Republik: Ein Drittel der Bevölkerung auf der Flucht

-

Kämpfer der christlichen Miliz "Anti-Balaka" bei Bossangoa, Zentralafrikanische Republik Kämpfer der christlichen Miliz "Anti-Balaka" bei Bossangoa, Zentralafrikanische Republik |  Bild: © Clementalline [CC BY-SA 4.0]  - Wikimedia Commons

Kämpfer der christlichen Miliz "Anti-Balaka" bei Bossangoa, Zentralafrikanische Republik | Bild: © Clementalline [CC BY-SA 4.0] - Wikimedia Commons

Zentralafrikanische Republik: Ein Drittel der Bevölkerung auf der Flucht

Immer wieder hört man von Konfliktrohstoffen in afrikanischen Ländern und wie islamistsische Gruppierungen die Menschen ausbeuten, misshandeln und töten. Auch von Fluchtgründen in verschiedenen Teilen Afrikas wird viel berichtet, wie Mali, Nigeria, oder Somalia. Ein Land gerät dabei fast aus den Augen: die Zentralafrikanische Republik (ZAR). Welche, wie der Name schon verrät, ziemlich zentral in Afrika liegt, nördlich des auch von Krisen durchzogenen Landes der „Demokratischen Republik Kongo“. Das Land welches reich an Rohstoffvorkommen, etwa Gold oder Diamanten ist, gehört trotzdem zu den ärmsten Ländern der Welt – 2015 belegte die ZAR den vorletzten Platz auf dem Human Development Index. 1)HDR: Human Development Report 2015 – Stand: 26.01.2016

ZAR ist, wie viele afrikanische Länder, eine ehemalige französische Kolonie. Nachdem das Land seine Unabhängigkeit erhalten hat, war davon kaum etwas zu spüren. Mit französischer Unterstützung gelangten 1993 Ange-Félix Patassé und zehn Jahre später François Bozizé an die Macht. Durch diese Abhängigkeit der Regierung konnte man Raubbau ohne weiteres betreiben, zu dem auch der Abbau von Uran zählt. Nachdem sich jedoch eine Mine als nicht rentabel herausstellte, was die Betreiber von Areva allem Anschein schon wussten, ließ man den restlichen Schutt zurück. Untersuchungen zu der radioaktiven Belastung stellen sich wegen anhaltender Konflikten und fehlender Materialien als schwierig heraus. Desweiteren hat der französische Konzern Arbeitsplätze, eine Schule sowie ein Krankenhaus versprochen – heute zeigen nur Grundrisse die Pläne die Areva hatte. Der beginnende Konflikt führte zu einer gesamten Einstelllung des Uranvorhabens in ZAR. 2)ARTE: Zeitbombe der französischen Atomindustrie – Stand: 26.01.2016

Nachdem Bozizé am 24. März 2013 von der Rebellengruppe SELEKA („Koalition“) gestürzt wurde, marodierten diese trotzdem weiter. Grund dafür ist ein tief in der Geschichte des Lande verwurzelter Konflikt zwischen Muslimen und den Ureinwohnern. Früher haben Muslime und Araber die Ureinwohner als Sklaven in den heutigen Sudan verschleppt. Dieses Spannungsverhältnis hat sich auch in den letzten Jahrhunderten nicht gebessert, eher durch die Missionierung der Einheimischen noch verschärft. Der Kampf zwischen Soldaten und Rebellen ist schon lange keiner mehr um Freiheit und Gleichheit, nun ist er zu einem zwischen Muslimen und Christen geworden. Somit ist es ein leichtes, die Muslime als ausländische Macht zu sehen, da sie zumal arabisch sprechen. Folglich schloss sich eine christliche Miliz zusammen, die sogenannte Anti-Balaka („Gegen die Macheten“). Beide Gruppierungen verüben Gräueltaten an den andersgläubigen und verursachen Angst im gesamten Land. Dort stationierte französische Truppen unternahmen nichts, um der Bevölkerung zu helfen. Nicht einmal, wenn vor ihren Augen eine Person zusammengeschlagen wurde. Frankreich entsandte auch keine Truppen, wie es schon einmal der Fall war, um das Land zu stabilisieren. 3)Blätter: Völkermord mit Ankündigung – Stand: 26.01.2016

Human Rights Watch hat verschiedene Massaker von Konfliktparteien aufgezählt. Viele tauchen kaum in internationalen Medien auf. So wie ein Angriff von etwa 100 Anti-Balaka-Kämpfern auf ein Dorf mit 56 Toten, unter den Opfern sind laut dem lokalen Imam zufolge nur zwei Seleka-Kämpfer. Um diesen Taten ein Ende zu setzten, führten die Vereinten Nationen 2013 ein Militärbündnis ein, genannt „MISCA“ – Internationale Unterstützungsmission in der Zentralafrikanischen Republik. Als dieses jedoch kaum Wirkung zeigte, übernahm die Mission „MINUSCA“ – Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in der Zentralafrikanischen Republik. Jedoch ist diese Mission auch von Schatten überzogen. Kürzlich tauchten Anschuldigungen auf, UN-Soldaten und französische Truppen sollen Kinder missbraucht haben. Auch wird den Vereinten Nationen vorgeworfen, unzureichend gegen diese Missbrauchsvorwürfe vorgegangen zu sein. 4)ZEIT: UN reagierten falsch auf Missbrauchsvorwürfe – Stand: 26.01.2016 5)Human Rights Watch: They Came To Kill – Stand: 26.01.2016

Im Mai 2015 wurde an einem runden Tisch versucht die Gewalt zu unterbinden. Sowohl Teilnehmer der Konfliktparteien, der Regierung und der Zivilgesellschaft nahmen an diesem Treffen teil. Als Beschluss kam die Entwaffnung und Demobilisierung aller Kämpfer und ihre Integration in die Nationale Armee heraus. Kurz nach der Beendigung wurden jedoch die Kämpfe weitergeführt. Ein wichtiger Grund hierbei ist, dass sich die Parteien künftig mehr Einfluss in der Politik des Landes erhoffen. 6)Bundeszentrale für politische Bildung: Zentralafrikanische Republik – Stand: 26.01.2016

Laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen leiden 2,5 Millionen Menschen – die Hälfte der Gesamtbevölkerung – an Hunger, diese Hungersnot verschlimmert die Gesamtsituation und führt zu Flüchtlingswellen. Nach den Flüchtlingszahlen von 2014 sind 1,5 Millionen Menschen auf der Flucht, was nur eine Schätzung ist, die Dunkelziffer ist wohl deutlich höher. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge suchen in anderen Landesteilen Zuflucht, hundertausende zieht es in benachbarte Länder. Auf dem Weg in die Sicherheit ernähren sie sich zum Teil nur von Blättern und Gräsern. Wenn sie es geschafft haben, sind sie in so einer körperlichen schlechten Verfassung, dass den Kindern sogar eine spezielle Zusatznahrung verabreicht wird. 7) UNO-Flüchtlingshilfe: Die vergessene Katastrophe; nicht mehr verfügbar

Ende Januar finden in diesem Land Wahlen statt, die schon häufig verschoben wurden und die letzten sogar annulliert. Nun besteht Hoffnung, dass durch diese Wahlen eine Stabilität entsteht und die Flüchtlinge zurückkehren können. Ein nicht geringer Teil dieser Stabilität liegt auch bei den UN-Truppen und Frankreich selbst.

Beitrag teilen und unterstützen! (Bisher 2 Mal geteilt)

Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Weitere interessante Infos:
 Vor allem Kinder sind vom Jemenkrieg betroffen. Seit 2015 sind bereits über 80 000 Kinder unter fünf Jahren verhungert. | Bild (Ausschnitt): © Micharl Rung [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Jemenkrieg: die geringe Medienaufmerksamkeit und die Doppelmoral des Westens

Der Jemenkrieg ist laut UN die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit – dennoch wird kaum darüber berichtet. Wie kann das sein? Während die Menschen dort verhungern, schlagen Länder wie die USA, Frankreich, Großbritannien und Deutschland ...
UN-Friedensmission in Mali UN Security Council convoy drives through the streets of Mopti, Northern Mali. | Bild (Ausschnitt): © United Nations Photo [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

MINUSMA – Auch sechs Jahre nach Beginn der UN-Mission kehrt in Mali keine Ruhe ein

Mali – Durch den Ausbruch eines Konfliktes machte das westafrikanische Land im Jahr 2012 traurige Schlagzeilen. Nach dem Sturz des libyschen Machthabers Muammar-al Gaddafi im Jahre 2011 verbündeten sich malische Tuareg-Kämpfer, die für Gaddafi gekämpft ...
Rohdiamant in der Hand eines Bergarbeiters. Rohdiamant in der Hand eines Bergarbeiters | Bild (Ausschnitt): © Anchesdd - Dreamstime.com

Land Grabbing in Sierra Leone: Wie ausländische Investoren der Bevölkerung die Lebensgrundlage nehmen

Rohstoffvorkommen sind in der Welt sehr ungleich verteilt. Gerade die ärmsten Länder dieser Erde verfügen über wertvolle Bodenschätze sowie fruchtbares Land, was sehr gut einen Beitrag dazu leisten könnte, die Armut in diesen Ländern zu ...
Nigeria women Nigerianisches Mädchen und ihre Schwester im Flüchtlingscamp in Maiduguri, Nordost-Nigeria | Bild (Ausschnitt): © USAID [(CC BY-NC 2.0) ] - flickr

Ein Jahrzehnt von Gewalt und Terror: Wie Boko Haram nigerianische Frauen für seine Zwecke benutzt

Am Freitag, den 26. Juli, jährte sich zum 10. Mal die Ermordung des Führers und Gründers von Boko Haram, Mohammed Yusuf. Dieser Tag löste ein Jahrzehnt von Gewalt und bewaffnetem Konflikt zwischen der aufständischen Gruppe ...
 Die Massentierhaltung für unseren Konsum fördert Welthunger und Fluchtgründe | Bild (Ausschnitt): © James Hill [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Sojaanbau, Abholzung & Klimawandel – Wie unser Fleischkonsum zu Fluchtursachen beiträgt

Wie wir uns ernähren, welche Konsumentscheidungen wir treffen und wie viel Wert wir auf regionale und saisonale Produkte legen, hat nicht nur unmittelbare Auswirkungen für uns selbst, sondern auch auf Menschen in anderen Ländern. So ...
Ausführlicher Hinweis zum Datenschutz
[contentblock id=datenschutz]

Diesen Hinweis schließen

Jetzt den earthlink-Newsletter abonnieren:



Das Formular
wird geladen -
bitte einen Moment ...
PGlmcmFtZSBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYm9yZGVyPSIwIiBzdHlsZT0iYm9yZGVyOm5vbmU7IiBjbGFzcz0iYXV0b0hlaWdodCIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LmVhcnRobGluay5kZS8/d3BtbG1ldGhvZD1vZmZzaXRlJmlmcmFtZT0xJmxpc3Q9MSIgaGVpZ2h0PSI0MDAiPg0KCTxwPkRhcyBGb3JtdWxhciBsw6RkIC0gYml0dGUgZWluZW4gTW9tZW50IHdhcnRlbiAuLi48L3A+DQo8L2lmcmFtZT4=
Ihre Daten behalten wir für uns!
Unsere Datenschutzerklärung
Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Liebe Leserinnen und Leser:

Verzeihen Sie bitte die Störung. Heute bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Unsere Kampagne "Fluchtgrund" erfährt großen Zuspruch und viel Lob für die umfangreichen und fundierten Informationen, die wir auf dieser Website bieten. Die Informationen werden genutzt von Interessierten, die sich objektiv über die Gründe informieren möchten, die Menschen dazu bringen ihre angestammte Heimat zu verlassen, von Schülerinnen und Schülern um Referate vorzubereiten, aber auch von Journalistinnen und Journalisten auf der Suche nach detaillierten Hintergrundinformationen. Aber nur ein Bruchteil der Nutzer spendet.

Trotzdem ein großer Teil der Arbeit durch Ehrenamtliche erbracht wird, kostet die Kampagne auch Geld. Hier sind wir auf Ihre Spende angewiesen! Wenn alle, die dies lesen, einen kleinen Beitrag leisten, hätten wir in einem Monat das Geld zusammen, das wir für ein Jahr benötigen. Schon der Preis einer Tasse Kaffee würde genügen. Es ist leicht, diese Nachricht nicht zu beachten und die meisten werden das wohl tun.

Wenn Sie diese Website nützlich finden, nehmen Sie sich jetzt bitte eine Minute Zeit und geben Sie mit Ihrer Spende etwas zurück. Herzlichen Dank!

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Sie können uns Ihre Spende online per PayPal zukommen lassen. Wenn Sie noch kein PayPal-Konto haben, können Sie hier auch mit Kreditkarte spenden.

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft!

Ihre Spende können Sie gerne auf unser Spendenkonto überweisen oder einzahlen:

[contentblock id=spendenkonto]

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?