Seiten
Kategorien

Wie der Klimawandel Konflikte befeuert

-

Bauer pflügt sein Land mit seinen Kühen in der Nähe von Konso in Südäthiopien. Bauer pflügt sein Land mit seinen Kühen in der Nähe von Konso in Südäthiopien. |  Bild: "Working in the field" © Edwardje [Royalty Free]  - Dreamstime.com

Bauer pflügt sein Land mit seinen Kühen in der Nähe von Konso in Südäthiopien. | Bild: "Working in the field" © Edwardje [Royalty Free] - Dreamstime.com

Wie der Klimawandel Konflikte befeuert

Bilder von bis auf die Knochen abgemagerten Menschen aus der syrischen Stadt Madaja erschüttern die internationale Öffentlichkeit. Horrormeldungen wie das gezielte Aushungern der zivilen Bevölkerung erreichen uns fast täglich aus dem Land, das sich seit mittlerweile fünf Jahren in einem blutigen Bürgerkrieg befindet. 1) YouTube: Hungerkatastrophe in Madaja – Stand 15.01.2016 Auch in den Jahren 2006 bis 2010 beherrschte der Hunger das Leben vieler Familien in Syrien: Aufgrund einer extremen Dürre verloren hunderttausende Kleinbauern ihren Lebensunterhalt. Eine fehlgeleitete Politik seitens des syrischen Regimes verschärfte das Problem: Bis zu drei Millionen Syrer wurden in extreme Armut getrieben. Dies könnte, zusammen mit anderen Faktoren wie der allgemeinen Unzufriedenheit und der Repression durch das Regime, ein Auslöser für den Konflikt gewesen sein. 2) The Center For Climate And Security: Syria: Climate Change, Drought and Social Unrest – Stand 15.01.2016

Von der schlimmsten Dürre seit Beginn der Messungen in Syrien 3) YouTube: Löst der Klimawandel Kriege aus? – Stand 21.12.2016 waren etwa 60 Prozent des eigentlich sehr fruchtbaren Landes betroffen. Als Resultat gerieten etwa zwei bis drei Millionen Syrer in extreme Armut. Etwa 1,5 Millionen Menschen wanderten in die Städte ab. Diese waren bereits gefährlich überfüllt, da aus Krisengebieten im Irak laufend Flüchtlinge in syrische Städte zogen. 4) The Center For Climate And Security: Syria: Climate Change, Drought and Social Unrest – Stand 15.01.2016 Angesichts dieser Herausforderungen herrschte ein Mangel an Arbeitsplätzen und Wohnraum, dem die Politik kaum nachkam. Das Gesundheitssystem wurde durch ernährungsbedingte Erkrankungen erheblich belastet. Dies alles verschlechterte die Situation für die Bevölkerung und bot Nährboden für soziale Konflikte. 5) CNN: Is the Syrian conflict linked to climate change? – Stand 15.01.2016 Einen entscheidenden Anteil an der Eskalation trug auch eine fehlgeleitete Agrarpolitik seitens des syrischen Regimes: Grundwasservorräte wurden übernutzt, was Syrien noch anfälliger für die sich ausbreitende Dürre machte. Außerdem unterstützte die Regierung die betroffenen Menschen kaum. 6) Frankfurter Rundschau: Erst die Dürre, dann der Bürgerkrieg – Stand 15.01.2016 Wie US-Wissenschaftler in dem Fachblatt PNAS berichten, handelt es sich bei der Dürre wahrscheinlich um eine direkte Folge des vom Menschen verursachten Klimawandels. 7) PNAS: Climate change in the Fertile Crescent and implications of the recent Syrian drought – Stand 15.01.2016

Die allgemeine Repression durch Beschneidungen der Menschenrechte, systematische Korruption und Politik fernab der Interessen des Volkes durch das syrische Regime führte zu großer Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Unter dem Eindruck der Protestbewegungen des „Arabischen Frühlings“ begannen 2011 erste Demonstrationen. Bei der gewaltsamen Unterdrückung dieser kam es zu massiven Menschenrechtsverletzungen durch die Regierung, woraufhin der Konflikt schließlich eskalierte. Der Bürgerkrieg forderte bis 2015 mehr als 250.000 Menschenleben und machte etwa 24 Millionen Syrer – fast die Hälfte der Bevölkerung – zu Flüchtlingen. 8) Bundeszentrale für politische Bildung: Syrien – Stand 15.01.2016

Dies zeigt, dass die extreme Dürre sicher nur einen Faktor neben vielen anderen im Ausbruch des Syrien-Kriegs darstellte. Allerdings verschärfte die Dürre und die daraus resultierende prekäre humanitäre Lage die Unzufriedenheit der Bevölkerung. Mit der anhaltenden Erderwärmung werden ähnliche humanitäre Krisen und damit Konfliktpotenzial öfter auftreten. Instabile Staaten sind von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen: Einerseits liegen viele Entwicklungsländer in Regionen, in denen sich die Lebensbedingungen durch die Erderwärmung stark verschlechtern, weil beispielsweise extreme Trockenheit herrscht. Andererseits ist in Entwicklungsländern der Anteil der Bevölkerung, der sich durch Subsistenzwirtschaft ernährt, hoch. Dieser Bevölkerungsanteil ist klimabedingten Änderungen der Lebensumstände besonders stark ausgesetzt. Das und die oft fehlende oder mangelhafte Unterstützung durch den Staat macht die Bevölkerung dort besonders verwundbar. 9) Frankfurter Rundschau: Erst die Dürre, dann der Bürgerkrieg – Stand 15.01.2016 10) bits of science: The Syrian drought of 2006-2010 fits in climate trend of lower precipitation and higher temperatures, this graph shows – Stand 15.01.2016

Da es sich beim Klimawandel um einen Vorgang handelt, der sich überregional abspielt, ergibt sich aus dieser Ursache für Konflikt und Flucht auch eine globale Verantwortung. Gerade die Industrienationen, die weniger oft mit den Folgen der Erderwärmung zu kämpfen haben, sollten sich dieser Verantwortung stellen. Der Hauptteil der seit der Industrialisierung vom Menschen verursachten Treibhausgase geht auf die wohlhabenden Industrienationen zurück. 11) GermanWatch: Wer produziert Treibhausgase? – nicht mehr verfügbar Beispielsweise betrugen 2002 die Kohlendioxidemissionen eines Deutschen etwa das 5-fache derer eines Syrers. 12) Weltbank: Kohlendioxidemissionen pro Kopf – Stand 15.01.2016 Auch wenn Konflikte und Kriege immer vielschichtige Gründe haben, dürfen wir uns unserer globalen Verantwortung nicht entziehen.

Beitrag teilen und unterstützen! (Bisher 1 Mal geteilt)

Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Hannah Wolf

Hallo da draußen, im Jahr 2015/16 begleit ich earthlink als Bundesfreiwillige. Neben Recherchearbeiten und dem Schreiben von Artikeln gehört auch das Blumengießen zu meinen speziellen Befähigungen. Auf euch als Interessenten, Sympathisanten und Diskutanten von earthlink frei i mi!

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Weitere interessante Infos:
Baka in Kamerun Baka in Kamerun | Bild (Ausschnitt): © Corinne Staley [CC BY-NC 2.0] - flickr

Untersuchung gegen WWF – Streitpunkt Indigene in Kamerun

Die OECD hat eine Beschwerde der Menschenrechtsorganisation Survival International gegen den WWF angenommen und ein Mediationsverfahren eingeleitet. Streitpunkt ist das Vorgehen gegen die Baka, eine indigene Gruppe in Kamerun. Sie leiden unter Misshandlungen von Anti-Wilderer-Einheiten.
 Wassermangel in Somalia | Bild (Ausschnitt): © DFID - UK Department for International Development [CC BY 2.0] - Flickr

Ausnahmezustand in Somalia – wiederholt sich die verheerende Hungersnot von 2011?

Von Tierkadavern übersäte, ausgetrocknete Landschaften sind die nicht zu leugnenden Boten der Dürren, die das Horn von Afrika ereilen. Sie sind die schlimmsten seit über 60 Jahren - die Katastrophe von 2011, als 260.000 Menschen ...
Kämpfer der christlichen Miliz

Zentralafrikanische Republik: Ein Drittel der Bevölkerung auf der Flucht

Immer wieder hört man von Konfliktrohstoffen in afrikanischen Ländern und wie islamistsische Gruppierungen die Menschen ausbeuten, misshandeln und töten. Auch von Fluchtgründen in verschiedenen Teilen Afrikas wird viel berichtet, wie Mali, Nigeria, oder Somalia. Ein ...
Trockenheit | Bild (Ausschnitt): © United Nations Photo [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

„Das blaue Gold“ – Multikonzerne verdienen an Wasserrechten während die Bevölkerung an Wasserknappheit zu Grunde geht

Wasser ist ein knappes Gut. Obwohl ein Mensch am mit Tag 20 Liter auskommt, haben Menschen in Regionen mit Wassermangel oft gerade einmal fünf Liter zum Überleben. Genau diese Knappheit zieht Lebensmittelkonzerne an. Sie kaufen ...
 56 Prozent der Deutschen sind davon überzeugt, dass die Digitalisierung im Kampf gegen den Klimawandel helfen kann | Bild (Ausschnitt): © Bram de Jong [(CC BY-NC 2.0) ] - flickr

Kann der Kampf gegen den Klimawandel von der Digitalisierung profitieren?

65 Prozent der Deutschen sehen den Klimawandel als das größte und drängendste Problem der Menschheit, so eine aktuelle Befragung des Digitalverbands Bitkom. Die Debatte um den Kampf gegen die globale Erwärmung ist auf den Straßen ...
USA in Afghanistan Die USA greifen verstärkt militärisch in Afghanistan ein. Dadurch sterben Zivilisten, die insbesondere in Drogenlaboren arbeiten. | Bild (Ausschnitt): © ResoluteSupportMedia [CC BY 2.0] - Flickr

Afghanistan: Nachfrage nach Drogen und gewaltsames Vorgehen der Westmächte destabilisieren das Land

In Afghanistan ist die Sicherheitslage sehr brisant. Dort herrscht seit 16 Jahren ein blutiger Krieg zwischen der radikalislamischen Organisation „Taliban“ und vornehmlich dem Militär der US- und der afghanischen Regierung, sowie der NATO-Staaten, zu denen ...
Ausführlicher Hinweis zum Datenschutz
[contentblock id=datenschutz]

Diesen Hinweis schließen

Jetzt den earthlink-Newsletter abonnieren:



Das Formular
wird geladen -
bitte einen Moment ...
PGlmcmFtZSBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYm9yZGVyPSIwIiBzdHlsZT0iYm9yZGVyOm5vbmU7IiBjbGFzcz0iYXV0b0hlaWdodCIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LmVhcnRobGluay5kZS8/d3BtbG1ldGhvZD1vZmZzaXRlJmlmcmFtZT0xJmxpc3Q9MSIgaGVpZ2h0PSI0MDAiPg0KCTxwPkRhcyBGb3JtdWxhciBsw6RkIC0gYml0dGUgZWluZW4gTW9tZW50IHdhcnRlbiAuLi48L3A+DQo8L2lmcmFtZT4=
Ihre Daten behalten wir für uns!
Unsere Datenschutzerklärung
Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Liebe Leserinnen und Leser:

Verzeihen Sie bitte die Störung. Heute bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Unsere Kampagne "Fluchtgrund" erfährt großen Zuspruch und viel Lob für die umfangreichen und fundierten Informationen, die wir auf dieser Website bieten. Die Informationen werden genutzt von Interessierten, die sich objektiv über die Gründe informieren möchten, die Menschen dazu bringen ihre angestammte Heimat zu verlassen, von Schülerinnen und Schülern um Referate vorzubereiten, aber auch von Journalistinnen und Journalisten auf der Suche nach detaillierten Hintergrundinformationen. Aber nur ein Bruchteil der Nutzer spendet.

Trotzdem ein großer Teil der Arbeit durch Ehrenamtliche erbracht wird, kostet die Kampagne auch Geld. Hier sind wir auf Ihre Spende angewiesen! Wenn alle, die dies lesen, einen kleinen Beitrag leisten, hätten wir in einem Monat das Geld zusammen, das wir für ein Jahr benötigen. Schon der Preis einer Tasse Kaffee würde genügen. Es ist leicht, diese Nachricht nicht zu beachten und die meisten werden das wohl tun.

Wenn Sie diese Website nützlich finden, nehmen Sie sich jetzt bitte eine Minute Zeit und geben Sie mit Ihrer Spende etwas zurück. Herzlichen Dank!

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Sie können uns Ihre Spende online per PayPal zukommen lassen. Wenn Sie noch kein PayPal-Konto haben, können Sie hier auch mit Kreditkarte spenden.

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft!

Ihre Spende können Sie gerne auf unser Spendenkonto überweisen oder einzahlen:

[contentblock id=spendenkonto]

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?